Europa / Europäisierung
Europa / Europäisierung
Aus der ethnologischen Perspektive ist Europa nicht einfach gegeben, sondern - historisch und aktuell - ein sich in vielen global verflochtenen Projekten entwickelnder, konfliktreicher politischer und kultureller Prozess. Das ethnologische Paradigma der Europäisierung steht für diesen Prozess. Dabei setzt es nicht nur im "Zentrum", bei den Politiken und Institutionen der Europäischen Union oder der Definitionsmacht der westlichen europäischen Gesellschaften an, sondern gerade bei jenen Akteuren und Zonen an den Rändern des heutigen Europas, deren Zugehörigkeit historisch und aktuell umstritten ist: etwa den heutigen Grenzregionen des Mittelmeerraums und Osteuropas, den Migranten, Minoritäten und Marginalisierten, die Europa mit seinen Widersprüchen in einer postkolonialen, postsozialistischen Welt konfrontieren. Gerade hier zeigen sich die Herausforderungen und Zumutungen der Europäisierung besonders deutlich, ebenso wie gerade diese scheinbar peripheren Akteure und Zonen sehr viel bedeutsamer sind für den Prozess Europa als vielfach angenommen.
Das Labor Europa / Europäisierung versteht sich als Hierarchien übergreifender, selbst gestalteter Diskussionsraum, in dem zu diesem Schwerpunktthema des Instituts nachgedacht und geforscht wird. Das Labor vernetzt Forscher/innen (Studierende, Doktorand/innen, Projektmitarbeiter/innen, Lehrende) im Institut und interessierte "Externe" entlang von inhaltlichem Engagement und Expertise.
Das Labor organisierte das Institutskolloqium im Wintersemester 2010/2011, eine international besetzte Vortragsreihe zum Thema Decentering Europe. Postcolonial, postbloc perspectives for a reflexive European Ethnology. Audio-Mitschnitte der Vorträge im MP3-Format finden Sie hier. Organisationsteam: Jens Adam, Manuela Bojadzijev, Michi Knecht, Pawel Lewicki, Kerstin Poehls, Nurhak Polat, Regina Römhild, Rika Spiekermann, Asta Vonderau, Michael Westrich
Kontakt
Forschungsprojekte
- Andere Europas. Soziale Imagination in transnationalen Bewegungen und urbanen Öffentlichkeiten (Studienprojekt MA)
- Other Europes / Europe's Others. Social imagination in transnational movements and urban publics
- Exhibiting Europe (Norwegischer Forschungsrat)
- Identitätspolitik
und nationale Repräsentation: Armenien auf dem Weg nach Europa
(DFG-Projekt)
Dissertationen
- Pawel Lewicki: „Pioniere der Integration”? Das „alte” und das „neue” Europa im Verwaltungsapparat der Europäischen Kommission
- Stephan G. Haufe: "Regionalität und Differenz in der Nahrungsmittelproduktion in Europa" (Arbeitstitel)
- Jens Adam: "Zwischen Konfliktprävention und Kulturdialog - Interventionsmöglichkeiten auswärtiger Kulturpolitik in den 'Krisenregionen' Sarajevo und Ramallah"
- Sven Bergmann: "Transnationale Ökonomien der Reproduktion. Eine Ethnographie zur Praxis der Keimzellenspende in Europa"
Kooperationen
- Forschungskreis Metropolen in Osteuropa
- SFB 640 - Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
- Georg Simmel Zentrum
für Metropolenforschung
Abgeschlossene Forschungsprojekte
- Der Homo Europaeus in der Nahrungsforschung und der Medizin. Teilprojekt im Rahmen des Forschungsverbunds „Imagined Europeans. Die wissenschaftliche Konstruktion des Homo Europaeus“ (BMBF)
- Teaching Human Rights in Europe. Purposes, Realization and Consequence (VW-Stiftung)
- Challenges of
Biomedicine (EU-STREP)
Abgeschlossene Dissertationen
- Anika Keinz: Re-Formationen von Gender Regimen zwischen Ideologie, Politik und Alltag am Beispiel Polens
- Kerstin Poehls: The Making of Homo Europaeus - Zur Elitenentstehung in der Europäischen Union
- Asta Vonderau: Konsum und kulturelle Differenz –
sozialer Wandel im postsozialistischen Litauen
Abgeschlossene Studienprojekte
- Grenz-Erkundungen. Die Euroregion Pomerania (2001/2003)

