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Forschen am Institut für Europäische Ethnologie
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Kritische Europäisierungsforschung

zuletzt geändert: 22.05.13 westricm

Aus der ethnologischen Perspektive ist Europa nicht einfach gegeben, sondern - historisch und aktuell - ein sich in vielen global verflochtenen Projekten entwickelnder, konfliktreicher politischer und kultureller Prozess. Das ethnologische Paradigma der Europäisierung steht für diesen Prozess. Dabei setzt es nicht nur im "Zentrum", bei den Politiken und Institutionen der Europäischen Union oder der Definitionsmacht der westlichen europäischen Gesellschaften an, sondern gerade bei jenen Akteuren und Zonen an den Rändern des heutigen Europas, deren Zugehörigkeit historisch und aktuell umstritten ist: etwa den heutigen Grenzregionen des Mittelmeerraums und Osteuropas, den Migranten, Minoritäten und Marginalisierten, die Europa mit seinen Widersprüchen in einer postkolonialen, postsozialistischen Welt konfrontieren. Gerade hier zeigen sich die Herausforderungen und Zumutungen der Europäisierung besonders deutlich, ebenso wie gerade diese scheinbar peripheren Akteure und Zonen sehr viel bedeutsamer sind für den Prozess Europa als vielfach angenommen.

Das Labor Europa / Europäisierung versteht sich als Hierarchien übergreifender, selbst gestalteter Diskussionsraum, in dem zu diesem Schwerpunktthema des Instituts nachgedacht und geforscht wird. Das Labor vernetzt Forscher/innen (Studierende, Doktorand/innen, Projektmitarbeiter/innen, Lehrende) im Institut und interessierte "Externe" entlang von inhaltlichem Engagement und Expertise. 

Im Mittelpunkt unserer Laborarbeit steht zurzeit eine Zuspitzung der Frage danach, wie eine reflexive Europäische Ethnologie mit den theoretischen und methodologischen Herausforderungen umgehen kann, die sich einer kritischen Europäisierungsforschung aktuell stellen. Nachdem wir im Institutskolloquium vor einigen Semestern unter dem Titel "Decentering Europe" versucht haben, zusammen mit unseren Gästen ein Themenspektrum aufzufächern und auszuloten, wo vertiefter Diskussionsbedarf besteht, sind wir nun dabei, diese Anregungen in Verbindung mit unseren eigenen Arbeiten zu reflektieren und weiterzuführen.

Wie freuen uns über weitere Interessent_innen!
 

 

Das Labor organisierte das Institutskolloqium im Wintersemester 2010/2011, eine international besetzte Vortragsreihe zum Thema Decentering Europe. Postcolonial, postbloc perspectives for a reflexive European Ethnology. Audio-Mitschnitte der Vorträge im MP3-Format finden Sie hier. Im Anschluss daran rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie die Wissensproduktion über Europa selbst Teil des Prozesses ist, den sie beschreibt und welche Konsequenzen das für eine europäisch-ethnologische Forschung hat. Gäste des letzten Semester waren unter anderem Soenke Biermann, Prof. Dr. Santiago Castro-Gomez, Prof. Dr. Ramón Grosfoguel und Dr. Julia Suárez-Krabbe.

 

Kontakt

Prof. Dr. Regina Römhild

Michael Westrich


Forschungsprojekte 

  1. Andere Europas. Soziale Imagination in transnationalen Bewegungen und urbanen Öffentlichkeiten (Studienprojekt MA)
  2. Other Europes / Europe's Others. Social imagination in transnational movements and urban publics 
  3. Exhibiting Europe (Norwegischer Forschungsrat)
  4. Identitätspolitik und nationale Repräsentation: Armenien auf dem Weg nach Europa (DFG-Projekt)

Dissertationen 

  1. Jens Adam: Zwischen Konfliktprävention und Kulturdialog - Interventionsmöglichkeiten auswärtiger Kulturpolitik in den 'Krisenregionen' Sarajevo und Ramallah
    Betreuung: Wolfgang Kaschuba, Beate Binder
  2. Thomas Funk: „Sakrale Landschaft“ Konnersreuth. Konkurrierende Raumproduktionen zwischen religiöser Praxis, „kulturellem Erbe“ und touristischer Inwertsetzung
    Betreuung: Regina Römhild
    thomas_p_funk(at)gmx.de
  3. Stephan G. Haufe: Regionalität und Differenz in der Nahrungsmittelproduktion in Europa (Arbeitstitel)
  4. Pawel Lewicki: Pioniere der Integration”? Das „alte” und das „neue” Europa im Verwaltungsapparat der Europäischen Kommission
    Betreuung: Wolfgang Kaschuba
    lpawel(at)hotmail.com
  5. Michael Westrich: Migration als kosmopolitische soziale Bewegung? Versuch einer dekolonial informierten Ethnographie der Grenze (Arbeitstitel)
    Betreuung: Regina Römhild. Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
    michael.westrich(at)hu-berlin.de
  6. Kristine Wolf: Lokale Verhandlungen über das "Einwanderungsland Europa" – Vorstellungen, Wissen und Interaktionen von "Migrant_innen" und "Einheimischen" in Euro-Mediterranen Grenzräumen
    Betreuung: Regina Römhild. Elsa-Neumann-Stipendiatin des Landes Berlin.
    wolf.kristine(at)googlemail.com

Kooperationen 

  1. Forschungskreis Metropolen in Osteuropa
  2. SFB 640 - Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
  3. Georg Simmel Zentrum für Metropolenforschung

Abgeschlossene Forschungsprojekte 

  1. Der Homo Europaeus in der Nahrungsforschung und der Medizin. Teilprojekt im Rahmen des Forschungsverbunds „Imagined Europeans. Die wissenschaftliche Konstruktion des Homo Europaeus“ (BMBF)
  2. Teaching Human Rights in Europe. Purposes, Realization and Consequence (VW-Stiftung)
  3. Challenges of Biomedicine  (EU-STREP)

Abgeschlossene Dissertationen 

  1. Anika Keinz: Re-Formationen von Gender Regimen zwischen Ideologie, Politik und Alltag am Beispiel Polens
  2. Kerstin Poehls: The Making of Homo Europaeus - Zur Elitenentstehung in der Europäischen Union
  3. Asta Vonderau: Konsum und kulturelle Differenz – sozialer Wandel im postsozialistischen Litauen
  4. Sven Bergmann: Ausweichrouten der Reproduktion. Eine Ethnografie zu (biomedizinischer) Mobilität und der Praxis der Keimzellspende
    Betreuung: Stefan Beck
    sven_bergmann(at)gmx.net
  5. Kornelia Ehrlich: Creative City Ljubljana? Europäisierungsprozesse im Spannungsfeld neoliberaler Regierungspolitiken und widerständiger Praktiken
    Betreuung: Regina Römhild.
    KEhrlich(at)gmx.net

Abgeschlossene Studienprojekte 

  1. Grenz-Erkundungen. Die Euroregion Pomerania (2001/2003)
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