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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Labor Kritische Europäisierungsforschung

Europa und Europäisierung aus ethnologischer Perspektive

Aus der ethnologischen Perspektive ist Europa nicht einfach gegeben, sondern – historisch und aktuell – ein sich in vielen global verflochtenen Projekten entwickelnder, konfliktreicher politischer und kultureller Prozess. Das ethnologische Paradigma der Europäisierung steht für diesen Prozess. Dabei setzt es nicht nur im „Zentrum“, bei den Politiken und Institutionen der Europäischen Union oder der Definitionsmacht der westlichen europäischen Gesellschaften an, sondern gerade bei jenen Akteuren und Zonen an den Rändern des heutigen Europas, deren Zugehörigkeit historisch und aktuell umstritten ist: etwa den heutigen Grenzregionen des Mittelmeerraums und Osteuropas, den Migranten, Minoritäten und Marginalisierten, die Europa mit seinen Widersprüchen in einer postkolonialen, postsozialistischen Welt konfrontieren. Gerade hier zeigen sich die Herausforderungen und Zumutungen der Europäisierung besonders deutlich, ebenso wie gerade diese scheinbar peripheren Akteure und Zonen sehr viel bedeutsamer sind für den Prozess Europa als vielfach angenommen.

Das Labor Kritische Europäisierungsforschung versteht sich als Hierarchien übergreifender, selbst gestalteter Diskussionsraum, in dem zu diesem Schwerpunktthema des Instituts nachgedacht und geforscht wird. Das Labor vernetzt Forscher_innen (Studierende, Doktorand_innen, Projektmitarbeiter_innen, Lehrende) im Institut und interessierte „Externe“ entlang von inhaltlichem Engagement und Expertise.

Im Mittelpunkt unserer Laborarbeit steht zurzeit eine Zuspitzung der Frage danach, wie eine reflexive Europäische Ethnologie mit den theoretischen und methodologischen Herausforderungen umgehen kann, die sich einer kritischen Europäisierungsforschung aktuell stellen. Nachdem wir im Institutskolloquium vor einigen Semestern unter dem Titel „Decentering Europe“ versucht haben, zusammen mit unseren Gästen ein Themenspektrum aufzufächern und auszuloten, wo vertiefter Diskussionsbedarf besteht, sind wir nun dabei, diese Anregungen in Verbindung mit unseren eigenen Arbeiten zu reflektieren und weiterzuführen.

Das Labor organisierte das Institutskolloqium im Wintersemester 2010/2011, eine international besetzte Vortragsreihe zum Thema "Decentering Europe. Postcolonial, postbloc perspectives for a reflexive European Ethnology". Eine Publikation dazu ist auf dem Weg. Im Anschluss daran rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie die Wissensproduktion über Europa selbst Teil des Prozesses ist, den sie beschreibt und welche Konsequenzen das für eine europäisch-ethnologische Forschung hat. Gäste des letzten Semester waren unter anderem Soenke Biermann, Prof. Dr. Santiago Castro-Gomez, Prof. Dr. Ramón Grosfoguel und Dr. Julia Suárez-Krabbe.

 

Wie freuen uns über weitere Interessent_innen!

 


 

Forschungsprojekte

laufend:

aktuell keine

abgeschlossen:
  • Exhibiting Europe (Norwegischer Forschungsrat)
  • Identitätspolitik und nationale Repräsentation: Armenien auf dem Weg nach Europa (DFG-Projekt)
  • Der Homo Europaeus in der Nahrungsforschung und der Medizin. (Teilprojekt im Rahmen des Forschungsverbunds „Imagined Europeans. Die wissenschaftliche Konstruktion des Homo Europaeus“, BMBF)
  • Teaching Human Rights in Europe. Purposes, Realization and Consequence (VW-Stiftung)
  • Challenges of Biomedicine (EU-STREP)

 

Dissertationen

laufend:
abgeschlossen:
  • Bergmann, Sven: Ausweichrouten der Reproduktion. Eine Ethnografie zu (biomedizinischer) Mobilität und der Praxis der Keimzellspende
  • Ehrlich, Kornelia: Creative City Ljubljana? Europäisierungsprozesse im Spannungsfeld neoliberaler Regierungspolitiken und widerständiger Praktiken
  • Keinz, Anika: Re-Formationen von Gender Regimen zwischen Ideologie, Politik und Alltag am Beispiel Polens
  • Poehls, Kerstin: The Making of Homo Europaeus – Zur Elitenentstehung in der Europäischen Union
  • Vonderau, Asta: Konsum und kulturelle Differenz – sozialer Wandel im postsozialistischen Litauen

 

Studienprojekte

  • Andere Europas. Soziale Imagination in transnationalen Bewegungen und urbanen Öffentlichkeiten (Other Europes/Europe's Others. Social imagination in transnational movements and urban publics)
  • Grenz-Erkundungen. Die Euroregion Pomerania (2001/2003)

 

Kooperationen