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Forschen am Institut für Europäische Ethnologie
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Migration

zuletzt geändert: 20.04.12 roemhilr
Mitwirkende: Labor

Das „Labor Migration“ [Arbeitstitel] vernetzt Forscher/innen (Studierende, Doktorand/innen, Projektmitarbeiter/innen, Lehrende) im Institut und interessierte "Externe" entlang von inhaltlichem Engagement und Expertise. Es geht darum, das Thema Migration auf neue Weise zu beleben.  Dafür ist unser Arbeitstitel in zweifacher Hinsicht Programm: Wir wollen sowohl Migration selbst als ein Labor gesellschaftlicher, kultureller Entwicklungen neu zur Diskussion stellen als auch das dazu denkende und forschende Labor nach dieser Diskussion neu ausrichten.

Zukünftig soll das "Labor Migration" eine Berliner Bodenstation aktueller Debatten zur Theorie und Forschungsentwicklung werden, zugleich auch eine Vernetzungsstelle zu anderen Initiativen und In­stituten, die in ähnliche Richtungen denken.

Kontakt

Manuela Bojadzijev
manuela.bojadzijev (at) hu-berlin.de

Regina Römhild
regina.roemhild (at) hu-berlin.de


aktuell:
Institutskolloquium / International Lecture Series, April - July 2012
"Studying Through Migration / Durch Migration forschen"


Thesen für das „Labor Migration“ [Arbeitstitel]

 

Um einen Anfang zu setzen, haben wir zunächst polarisierende Thesen zur Weiterentwick­lung der Migrationsforschung gesetzt und zu einer breiten, strukturierten Diskussion dazu eingeladen.

1. Transnationalismus - What comes next?

Die anthropologische Migrationsforschung hat wesentlich dazu beigetragen, das Paradigma der Transnationalisierung in diesem Forschungsfeld, aber auch generell in der Anthropologie, in anderen Disziplinen und der Politik der Migration als Perspektive zu etablieren. Mobilität und grenzüberschrei­tende soziale und kulturelle Räume sind dabei in zweifacher Hinsicht in die Diskussion gebracht und nachhaltig verankert worden: 1. als methodologische Beobachtungsperspektive und 2. als methodi­sche Herausforderung.

Nach diesem Erfolg stellt sich nun jedoch die Frage, welcher weiter führende Beitrag eigentlich durch den Blick in mobile, transnationale Räume der Migration geleistet werden kann und soll. Der Fülle an empirischen Studien fehlen insbesondere theoretische Perspektiven, die sie in einem weiteren Sinne produktiv machen würden. Viele Forschungen arbeiten mit einem ethnischen oder nationalen Fokus und vergrößern diesen nur ins Transnationale. Die bislang vorherrschende Fragestellung einer "Transnationalisierung von unten" liefert  - zugespitzt formuliert - vorwiegend deskriptive, additive Ergebnisse, die insgesamt eher illustrieren als deuten, dass und wie Transnationalisierung (im Rah­men und im Verhältnis zu regionalen und nationalen Kontexten) im Alltag von Migrant/innen und ih­ren Netzwerken praktiziert wird, welchen Sinn und Zweck sie in diesem und für diesen Alltag erfüllt. Theoretische Innovation und empirische Vielfalt stehen in einem eigenartigen Widerspruch zueinan­der.

2. Mehr oder weniger – oder andere Migrationsforschung?

Wir fragen uns, warum das eigentliche Feld - Migration - nach wie vor ein marginaler "Sonderforschungsbereich" geblieben ist. Warum hat die transnationale Migrationsforschung – zumindest in der öffentlichen Diskussion – bislang kaum in die Diskussion zu "Einwanderung", "Grenzen" und "Inte­gration" interveniert? Brauchen wir mehr oder weniger, oder eine ganz andere Migrationsforschung?

Uns scheint, dass ein wiederkehrendes, grundsätzliches Problem die Markierung der erforschten Phänomene als "Migration" ist - und damit ihre Positionierung am Rand scheinbar stabiler national­staatlicher Gesellschaften. Diese aus unserer Sicht verzerrende Marginalisierung ist durch noch mehr Migrationsforschung (im Sinne der Erforschung von Migrant/innen) nicht zu revidieren.

Ein Perspektivenwechsel ist nötig, der Migration selbst zu einem paradigmatischen Fokus auf die lau­fenden Prozesse des gesellschaftlichen, politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Wandels sowie die Transformation von Staatlichkeit erhebt. Dieser Perspektivenwechsel führt weg von der Betrachtung migrantischer (scheinbar selbstbezüglicher, mehr oder weniger geschlossener) Räume hin zu einer Betrachtung der Kreuzungspunkte und Konfliktfelder, in denen Migration für laufende gesellschaftliche Transformationen produktiv wird: in der Auseinandersetzung mit Grenzen, politi­schen und kulturellen Territorien aller Art, mit alten und neuen Formen des Regierens und der Staat­lichkeit, mit Medien und Ökonomien, als Intervention in Subjektivierungsformen und -prozesse etc. Migration würde damit zu einer theoretischen Perspektive - der Gender-Perspektive vergleichbar -, die in allen Forschungsfeldern gleichermaßen zum Einsatz kommen muss und produktiv gemacht werden kann.

 

Forschung im „Labor Migration“ [Arbeitstitel]

 

Im Sommersemester 2012 organisiert das Labor das Institutskolloquium / International Lecture Series "Studying Through Migration / Durch Migration forschen", April - Juli 2012

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