Nicole Hoerdler
Nicole Hoerdler
Prettin liegt in Deutschland Stadt und Land zwischen Aufbruch,
Resignation und Identitätssuche von 1989 bis 2009
Betreuerin: Prof. Sigrid Jacobeit
Das Dissertationsvorhaben untersucht den Transformationsprozess der ostdeutschen Kleinstadt Prettin an der Elbe (Sachsen-Anhalt) vom Zusammenbruch der DDR über die neue Einheit Deutschlands bis zur Gegenwart. Die als Feldstudie angelegte und interdisziplinär ausgelegte Doktorarbeit wird exemplarisch für die Regionen in den fünf neuen Bundesländern Interdependenzen, Kontinuitäten und Brüche der letzten beiden Jahrzehnte und damit der jüngsten deutschen Geschichte analysieren und bilanzieren. Hierbei stehen sowohl politische und gesellschaftliche, wirtschaftliche als auch kulturelle und soziale Aspekte im Zentrum der Forschungen. Ziel ist es, übergreifende Zusammenhänge städtischen und ländlichen Wandels zu kategorisieren und zu definieren. Welche Auswirkungen hatte der Umbruch auf das Leben und Erleben der Bürgerinnen und Bürger Prettins? Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede sind hierbei auszumachen? In welchem Maße beeinflussten die Veränderungen die demographische Entwicklung, Bildung und Migration, aber auch die Wirtschaft und das gemeinnützige Engagement vor Ort?
Seit der frühen Neuzeit war Prettin – und dies trotz seiner Randlage – ein begünstigter Ort, der aus seinem monumentalen Wahrzeichen, dem Renaissanceschloss und der Domäne Lichtenburg, profitieren konnte. Vor allem während der beiden totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts erlebte der Mittelstand gute Zeiten, Prettin beherbergte bis 1945 eine der größten Seifenfabriken Deutschlands und bis 1989 eine der rentabelsten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR.
Die Gemeinde Prettin, am Dreiländereck Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg gelegen, unterlag nachhaltig dem Wandel politischer Systeme und reflektiert damit Kontinuitäten und Brüche regionaler und staatlicher Identitäten. Unter ethnographischen Gesichtspunkten werden verschiedene Spannungsfelder wie Reichtum und Armut in der Stadt, Migration und Abwanderung, Struktur und Adaption von freiwilligen Organisationen, gewachsene und neue Verwandtschaftsbindungen, organisatorische wie soziale Netzwerke bearbeitet.
