European Studies / Europäisierung
European Studies / Europäisierung
Master of European Ethnology with a focus on European Modernities...
European Studies / Europäische Modernen ist ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs Europäische Ethnologie. Vermittelt werden methodische und theoretische Zugänge, um Prozesse der Europäisierung, deren historische und kulturelle Bedingungen sowie sozial unterschiedlichen Auswirkungen auf den Alltag europäischer Bevölkerungen zu analysieren. Der Schwerpunkt zeichnet sich insbesondere aus durch
- intensiven Kontakt zur universitären Forschung und zu verschiedenen Praxisfeldern,
- den Erwerb dezidiert praktischer Forschungserfahrungen vor dem
Hintergrund methodisch-theoretischer Grundlagen,
- vielfältige Bezüge zur Wissenschaftslandschaft in Berlin.
The Master of European Ethnology with a focus on European Modernities introduces students to the
methodical and theoretical tools necessary to conduct independent
ethnographic work to analyse processes of Europeanisation, their
historical roots, cultural conditions and their impact upon socially
differentiated lifeworlds of European citizens. It is
characterised by
- intensive contact with university research and diverse fields of practice
- hands-on experience in ethnographic research
- it’s embeddedness in Berlin’s multifaceted scientific community
Einführung
Europa als sozial-kulturelle „Landschaft“ setzt sich aus unterschiedlich strukturierten Staaten bzw. Gesellschaften zusammen, die sich seit der Entstehung der Europäischen Union und besonders seit dem Umbruch von 1989 in einem tief greifenden Transitionsprozess befinden: Nationalstaaten geben Teile ihrer traditionellen Souveränitätsrechte ab. Nationale Währungen werden durch den Euro abgelöst, Gesetze entstehen zentral in Brüssel. Grenzkontrollen im Europäischen Binnenraum sind weitgehend abgeschafft, EU-Arbeitskräfte, Kapital, Güter oder Dienstleistungen zirkulieren „frei“ im gemeinsamen Markt. Hinzu treten globale Verflechtungen wie z. B. die Zunahme von Migrationsbewegungen oder die Zirkulation multinationaler Kultur- und Medienprodukte etwa durch das Internet. Das beinhaltet auch enorme politische und ökonomische Veränderungen, mit denen sich gerade die postsozialistischen Gesellschaften Ost- und Südosteuropas konfrontiert sehen.
Damit wird die „europäische Moderne“ – ein Begriff, der nicht nur auf einen geografisch oder geschichtlich definierten Raum, sondern auch auf ein kulturelles Identitätskonzept verweist – neu definiert. Denn er knüpft an einen historischen Prozess an, der seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Gang kam und in dessen Verlauf sich spezifische Vorstellungen von Fortschritt und Freiheit, von Rationalität und Subjektivität mit immer neuen Entwicklungen des Kapitalismus, des (Post-)Kolonialismus und des (Post-)Sozialismus verbanden. Modernität – im Sinne kultureller Imaginationen und Selbstverständnisse – und Modernisierung – verstanden als Ensemble von Steuerungs- und Verwaltungspraxen, als technologischer, politischer und ökonomischer Prozess – gingen dabei Hand in Hand. In der Auseinandersetzung mit realen wie projektierten Traditionen und Lebensformen anderer Epochen und Kulturen entstand ein spezifisches Modell der europäisch-westlichen Moderne, das „moderne“ Dispositionen, Wertschätzungen und Mentalitäten von sogenannten „traditionellen“, „rückständigen“ oder „vormodernen“ Verhältnissen und Identifikationen außerhalb, aber auch innerhalb Europas unterschied. Zu diesen Abgrenzung von „inneren Anderen“ (den Bauern, dem Volk, den unteren Schichten) und „äußeren Anderen“ (fremden Kulturen, den Kolonialisierten) leisteten insbesondere die Kulturwissenschaften (nationale Literaturwissenschaften, Ethnologien, Volkskunde etc.) einen entscheidenden Beitrag.
Diese Forschungstradition kritisch reflektierend, perspektiviert die Europäische Ethnologie die Vielfalt und den Wandel europäischer Gesellschaftsordnungen als „europäische Modernen“. Sie beschäftigt sich mit je spezifischen historischen und lokalen Kontexten, mit Varianten von Gesellschaften und ihren Gegenentwürfen, mit Kritiken und diskrepanten Entwicklungen, mit den Wirkungen transnationaler Migration und neuer Mobilität sowie der Intensivierung des ökonomischen und kulturellen Austauschs. Weil gegen das Axiom der Vielfalt das Beharren auf Eigentümlichkeiten von Kultur und des Kulturellen ebenso steht wie innereuropäische Grenzziehungen und die Abschottung der europäischen Außengrenzen, muss Europäisierung dabei als höchst widersprüchlicher Prozess moderner Staatlichkeit, nationaler Identitätsbildung und kultureller Repräsentationen sowie der Wissensbildung interpretiert werden, an denen die Kulturwissenschaften mit ihrem Expertenwissen beteiligt sind.
Inhalte
Die im Schwerpunkt European Studies / Europäische Modernen vermittelten Inhalte konzentrieren sich vor allem auf drei Felder
- die Erforschung regional unterschiedlicher Formen moderner Gesellschaftsordnungen und lokaler Kulturen in Europa unter Berücksichtigung von Geschichte und Traditionen als „symbolisches Kapital“;
- die ethnografische Untersuchung alltäglicher Lebensformen und erlebter sozialer Wirklichkeiten in ihren spezifischen Verknüpfungen mit transnationalen und globalen Einflüssen;
- die Analyse kultureller Praxen und Diskurse, die in der Herausbildung der europäischen Modernen von konstitutiver Bedeutung sind und Differenzen erklären können.
Lernziele
- Konzeption und Durchführung eigener empirischer Untersuchungen des Wandels kultureller Repräsentationen „europäischer Modernen“ mit dem methodischen Instrumentarium der Europäischen Ethnologie, insbesondere auf der Basis von historischer Forschung, Diskursanalyse und ethnografischer Feldforschung
- Aneignung von theoretischen Ansätzen, Begriffen und Methoden des Faches entlang internationaler Debatten und Wissenskontexte im Bereich von Europäisierung, Moderne/Modernisierung, Transition, Globalisierung und Transnationalisierung
- Ausbau der Fähigkeiten zur Einbettung theoretischer Ansätze in ihre
historischen und disziplinären Kontexte
Studienverlauf
Für den Masterstudiengang müssen insgesamt 120 Studienpunkte
erworben werden. Für einen Masterabschluss mit dem Schwerpunkt European
Studies / Europäische Modernen müssen von dieser Gesamtpunktzahl 75
Studienpunkte in diesem thematischen Feld erworben werden.
Verpflichtend sind hierbei Veranstaltungen im Modul 4, im
Forschungsmodul I und II (Modul 6, Modul 7) und im Abschlussmodul
(Modul 8).
Die restlichen 45 Studienpunkte werden in thematisch anderen
Veranstaltungen der Masterstudienganges erworben. Nach vorheriger
Absprache mit den Modulverantwortlichen können einzelne Seminare (mit
Ausnahme des eigentlichen Studienprojektes) auch an anderen Instituten
oder Universitäten im In- und Ausland absolviert werden, sofern diese
einen klaren Schwerpunkt im Bereich European Studies / Europäische
Modernen haben.

