Science and Technology Studies / Wissenskulturen
Science and Technology Studies / Wissenskulturen
Master of European Ethnology with a focus on Science and Technology Studies...
Science and Technology Studies / Wissenskulturen ist ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs Europäische Ethnologie, der die methodischen und theoretischen Werkzeuge der Science and Technology Studies und der Wissensanthropologie vermittelt, um die zunehmende Verschränkung von Forschung, Technologie und Gesellschaft zu analysieren. Der Schwerpunkt zeichnet sich insbesondere aus durch
- intensiven Kontakt zu universitärer Forschung und verschiedenen Praxisfeldern,
- praktische Erfahrung in ethnografischer Forschung,
- die Einbettung in die vielfältige Wissenschaftslandschaft Berlins.
The Master of European Ethnology with a focus on Science and Technology Studies teaches the methodical and
theoretical tools of science and technology studies and the
anthropology of knowledge in order to analyse the increasing
entanglement of research, technology and society:
- intensive contact with university research and diverse fields of practice
- hands-on experience in ethnographic research
- it’s embeddedness in Berlin’s multifaceted scientific community.
Einführung
Wir leben in einer Kultur, die von wissenschaftlichem Wissen, Hochtechnologie und technologischen Infrastrukturen durchdrungen ist. Forschung und Technik entwickeln sich rasant, insbesondere in lebenswissenschaftlichen und informationstechnologischen Bereichen durchdringt und prägt dies auf vielfältige Art und Weise unser Alltagsleben, die Art und Weise, wie wir handeln und über uns nachdenken können. Noch bevor wir geboren werden, werden wir mit Hilfe von bildgebenden Verfahren untersucht und vermessen, mittels medizinischer Klassifikationen bewertet. Viele von uns tragen Brillen, messen Blutdruck, nehmen die Antibabypille oder greifen auf andere Art gezielt in körperliche wie geistige Funktionen ein. Unser Aktionsradius hat sich in den vergangenen Jahren schnell erweitert: wir nehmen an Diskussionsforen im Internet teil, chatten mit Freunden im virtuellen Raum, erledigen unsere Bankgeschäfte online oder integrieren auf andere Art und Weise Technologien und spezialisiertes Wissen in unsere Alltage. Die Effekte und Konsequenzen dieser Entwicklungen sind oft unüberschaubar. Während wir häufig Veränderungen spüren, fehlen meist Vokabularien und analytische Kategorien, um sie zu verstehen und zu erklären. Ihre historischen Bedingungen und die verschiedenen sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Einflussfaktoren werden oft nicht diskutiert. Wie charakterisiert man solche Neuerungen? Inwieweit sind sie historisch und kulturell spezifisch für unsere Gesellschaft? Welche gesellschaftlichen und kulturellen Effekte haben solche Entwicklungen – für den Einzelnen, für die Kultur, für die Gesellschaft? Nach welchen Logiken entwickeln sich Wissenschaft und Technologie? Wie trägt wissenschaftliches Wissen – ob in den Naturwissenschaften oder den Sozial- und Geisteswissenschaften produziert – zu Veränderungen in Wahrnehmungen, Selbstbildern und Selbstverständnissen bei? Diese Fragen sind nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, Verständnisbedarf besteht etwa auch bei Nutzer/innen wissenschaftlichen Wissens genau so wie bei Expert/innen, Behörden und Politiker/innen.
Der Schwerpunkt Science and Technology Studies / Wissenskulturen vermittelt Studierenden methodische wie analytisch-theoretische Kompetenzen, um solche Phänomene zu analysieren und sie gleichzeitig aktiv zu begleiten und zu beeinflussen. Er bietet Studierenden u. a eine grundlegende Einführung in den Literatur- und Forschungsstand der Science and Technology Studies (STS) sowie der Wissensanthropologie. Zentral für den Schwerpunkt ist die ethnografische Forschung, die Wissenschaft und Technologie als Alltagsphänomene untersucht. Die Fachtradition der Europäischen Ethnologie bietet Methoden und Ansätze um Alltagspraxen zu untersuchen und zu analysieren. Alltagspraxis bezeichnet dabei konkrete Handlungsabläufe, Routinen und Ereignisse, die in vielfältigen Netzwerken hergestellt werden und die diese wiederum auf spezifische Weise ordnen und stabilisieren. Eine Analyse konkreter Praxis muss dabei immer auch ihre Produktionsbedingungen berücksichtigen, die häufig weniger offen zu Tage treten: öffentliche Diskurse, (inter)nationale rechtliche wie ethische Regulierung, private wie marktförmige transnationale Bezüge usw. Durch eine solche praxistheoretische Orientierung wird es möglich, die alltagskulturelle Verarbeitung von Wandlungsprozessen und Zäsuren nachzuzeichnen und Prozesse von Wissens- und Technologieproduktion und deren Aneignung und Transfers ethnografisch dicht zu beschreiben.
Inhalte
Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit in unseren Alltagswelten werden
wissenschaftliches Wissen und neue Technologien oft als Sonderbereich
moderner Gesellschaften dargestellt. Der Schwerpunkt Science and
Technology Studies / Wissenskulturen legt den Fokus gerade auf diese
Alltagswelten und die in ihnen sichtbaren vielfältigen Beziehungen von
Wissenschaft, Technik und Gesellschaft. Er bietet Einblicke in die Produktion und Wirksamkeit
wissenschaftlichen Wissens und technologischer Entwicklungen im Alltag
von Patienten und Technologienutzerinnen, von Behörden und Politikern,
von Wissenschaftlerinnen und Designern. Es untersucht, wie Kultur unter
die Haut geht, wie Körper sich durch Konzepte von Krankheiten
verändern, wie soziale Beziehungen durch Präventionsprogramme
beeinflusst werden, wie Technologien Subjektivitäten schaffen.
Im Schwerpunkt werden vor allem drei Bereichen thematisiert
- die Produktion von wissenschaftlichem Wissen und Technologieentwicklung als alltägliche Wissenspraxis;
- die Verbreitung und (politische) Regulierung wissenschaftlichen Wissens und technologischer Entwicklungen durch die relevanten gesellschaftlichen Institutionen;
- die Aneignung und Verbreitung wissenschaftlichen Wissens und
technologischer Entwicklungen in alltäglichen Lebenswelten.
Lernziele
- Konzeption und Durchführung eigener empirischer Untersuchungen mittels der theoretischen und methodischen Instrumente der STS und der Wissensanthropologie
- Kenntnisse der aktuellen theoretischen Ansätze, Begriffe und Methoden der STS und ein kritisches Verständnis ihrer Anwendungen in empirischen Untersuchungen
- Einbettung dieser Ansätze in ihre historischen und disziplinären Kontexte
Studienverlauf
Für den Masterstudiengang müssen insgesamt 120 Studienpunkte erworben werden. Für einen Masterabschluss mit dem Schwerpunkt Science and Technology Studies / Wissenskulturen müssen insgesamt 75 Studienpunkte in diesem thematischen Feld erworben werden. Verpflichtend sind hierbei entsprechende Veranstaltungen im Modul Wissenskulturen (Modul 5), im Forschungsmodul I und II (Modul 6, Modul 7) und im Abschlussmodul (Modul 8).
Die restlichen 45 Studienpunkte werden in thematisch anderen Veranstaltungen des Masterstudienganges erworben. Nach vorheriger Absprache mit den Modulverantwortlichen können einzelne Seminare (mit Ausnahme des eigentlichen Studienprojektes) auch an anderen Instituten oder Universitäten im In- und Ausland absolviert werden, sofern diese einen klaren Schwerpunkt im Bereich Science and Technology Studies / Wissenskulturen haben.
Studienplan
1. Semester
Grundlagenseminar (GS) „Einführung in die STS I“ (Modul 5)
Das Seminar bietet eine Einführung in den interdisziplinären
Forschungs- und Diskussionszusammenhang der "Science and Technology
Studies", wobei Studierende die Fähigkeit erarbeiten sollen,
Untersuchungen im Bereich Science and Technology Studies /
Wissenskulturen in Geschichte und Diskussionen der STS einzuordnen. Das
Seminar gibt einen Einblick in das Spektrum theoretischer Ansätze,
Fragestellungen und empirischer Felder der STS. Als Grundlage für die
Einordnung des eigenen Studiums in Bezug auf die Forschungsaktivitäten
am Institut, erhalten Studierende zudem einen Überblick über die
laufenden Forschungen im Bereich Science and Technology Studies /
Wissenskulturen des Instituts.
Studienpunkte 6
Grundlagenseminar (GS) „Ethnografie: Forschen und Schreiben“ (Modul
1)
Ziel des Seminars ist es, vertiefende Kenntnisse in ethnografischer
Wissensproduktion zu vermitteln. (Pflichtseminar für alle
Masterstudierenden)
Studienpunkte 14 (plus 1 Studienpunkt für MAP)
2. Semester
Hauptseminar (HS) „Einführung in die STS II“ (Modul 5) oder ein anderes
Seminar, das in die empirische Erforschung von historischen und
gegenwärtigen Wissenskulturen einführt
In diesem Seminar werden Studierende in die zentralen Ansätze, Begriffe
und Methoden der STS und der Wissensanthropologie eingeführt und
weiterführende Literatur diskutiert. Als Grundlage für die künftige
Konzeption eigener Forschungsprojekt sollen die Studierenden lernen,
welche Methoden zur Verfügung stehen und welche Begriffe und
theoretischen Ansätze der ethnografischen Wissenschaftsforschung
(Science and Technology Studies / Wissenskulturen) zur Verfügung
stehen; es wird theoretische wie methodologische Sicherheit erworben,
geeignete Ansätze für eine eigene Fragestellung und die Forschung im
empirischen Feld zu wählen.
Studienpunkte 6 (plus 3 Studienpunkt für MAP, die sich auf beide
Seminare in Modul 5 bezieht)
Studienprojekt I (SP I) oder Projekt des forschenden Lernens I (PFL I)
(Modul 6)
In Studienprojekten und Projekten des forschenden Lernens konzipieren
Studierende in enger Zusammenarbeit mit Lehrenden und Forschenden eine
eigenständige Studie, führen eine eigene empirische Untersuchung durch
und analysieren die empirischen Daten im Lichte der theoretischen
Ansätze der STS. Ziel ist in der Regel ein publikationsfertiger
Artikel, der die Forschungsergebnisse zusammenfasst. Studienprojekte
werden regelmäßig angeboten. Statt eines Studienprojektes können sich
Studierende in Einzelfällen und in Absprache mit den jeweiligen
wissenschaftlichen Leiter/innen und dem Prüfungsausschuss einem am
Institut für Europäische Ethnologie durchgeführten Forschungsprojekt
zuordnen und ein Projekt des forschenden Lernens durchführen. Ziel ist
die enge, praxisorientierte Betreuung der Masterstudierenden durch die
Forscher/innen des Forschungsprojektes. Es wird empfohlen, im
Themenfeld des Studien- oder Forschungsprojektes die Masterarbeit zu
erstellen, wobei auf empirische Materialien der Forschung
zurückgegriffen werden sollte.
Studienpunkte 9 (plus 1 Studienpunkt für MAP)
Seminar (SE) zum Themenfeld des Studien- oder Forschungsprojekts (Modul
6)
Ergänzend zum Studienprojekt besuchen die Studierenden entweder die
wöchentlichen Sitzungen des „Labors: Sozialanthropologie und
Lebenswissenschaften“ (www.csal.de) oder ein Seminar im Themenfeld des
Studienprojektes; dieses Seminar kann auch an anderen Instituten /
Universitäten belegt werden. In diesem Fall ist vor Seminarbeginn mit
dem für das Studienprojekt verantwortlichen Lehrenden zu klären, ob das
Seminar im Forschungsmodul anrechenbar ist. Studienpunkte 5
3. Semester
Studienprojekt II (SP II) oder Projekt des forschenden Lernens II (PFL
II) (Modul 7)
Fortsetzung des Studienprojektes oder Projekt des forschenden Lernens
aus dem 2. Semester. Studienpunkte: 9 (plus 4 Studienpunkte für
MAP)
Forschungskolloquium (Fo-Ko) (Modul 7)
Dieses Forschungskolloquium führt alle Studierenden des
Masterstudiengangs Europäische Ethnologie zusammen. In diesem Rahmen
stellen Masterstudierende ihre eigenen Forschungsprojekte zur
Diskussion. Studienpunkte 2
4. Semester
Masterarbeit im Themenbereich Science and Technology Studies /
Wissenskulturen (Modul 8)
Die Masterarbeit bildet den Abschluss des Masterstudiums. Ziel der
Masterarbeit ist es, die Fähigkeit zum eigenständigen
wissenschaftlichen Arbeiten zu überprüfen. Die Masterarbeit, die im
Themenbereich der Science and Technology Studies / Wissenskulturen
angesiedelt sein muss, basiert auf einer empirischen Studie und sollte
thematisch an die Forschungsleistungen des Studienprojektes anknüpfen.
Studienpunkte 28 (plus 2 Studienpunkte für Vorstellung der Masterarbeit
im Forschungskolloquium)
Dies ergibt 75 Studienpunkte im Schwerpunkt Science and Technology
Studies / Wissenskulturen. Dazu kommen 15 Studienpunkte aus Modul 1:
„Ethnografie: Forschen und Schreiben“ (s.o.). Die restlichen 30
Studienpunkte von insgesamt 120 Studienpunkten werden in thematisch
anderen Veranstaltungen des Masterstudienganges erworben. Hieraus
ergibt sich folgender, idealtypischer Studienverlaufsplan
(Studienleistungen im Kasten, die erforderlich für den Schwerpunkt
Science and Technology Studies / Wissenskulturen sind)
| 1.Semester | 2. Semester | 3. Semester | 4. Semester | |
|---|---|---|---|---|
|
Allgemeine Europäische |
AK oder SD oder EM I* | AK, SD oder EM II (Komplettierung des in I gewählten Moduls)* | ||
| AK oder SD oder EM III | AK,SD oder EM II (Komplettierung des in IV gewählten Moduls)* | |||
| Schwerpunkt STS / Wissenskulturen (90 Studienschwerpunkte) | Einführung in STS I | Einführung STS II: Ansätze, Begriffe und Methoden der STS | Master Arbeit | |
| Forschungsmodul I | Forschungsmodul II | |||
| Ethnografie: Schreiben und Forschen | Labor: CSL oder freies Seminar | Fo-Ko: Forschungskolloquium | ||
| Prüfungen (MAP Modulabschlußprüfung) | MAP Ethnografie: schreiben + Forschen | MAP Einführung STS I+II | MAP Forschungsmodul | |
| MAP AK,SD,EM I/II* | MAP Labor/Kolloq. | |||
| MAP AK, SD, EM III/IV* |
*) In den ersten drei Semestern müssen zwei der drei angeführten Module durch jeweils mind. zwei Seminare erfüllt und per Modulabschlußprüfung abgeschlossen werden. Die Reihenfolge ist dabei frei wählbar. Die Grafik präsentiert hier einen Vorschlag, der die Arbeits- und Prüfungslast möglichst angemessen verteilt.
Legende:
AK - Alltagskulturen
SD - Soziale Differenzierung
EM - Europäische Moderne

