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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Exhibiting Europe

Politics of Display: Migration, Mobilities, and the Borders of ‘Europe’
Förderlaufzeit: 10/2008 – 09/2011
Förderinstitution: Norwegischer Forschungsrat
Kooperationspartner: Universitäten Trondheim (Norwegen), Portsmouth (Großbritannien)

 

Europäisierung als ein zirkulärer Prozess ist „sowohl Ausgangspunkt als auch Effekt seiner selbst“ (vgl. Borneman/Fowler 1997). Diese Zirkularität spiegelt sich in Museen in ganz Europa: Sie werden durch die Auswahl ihrer Themen, ihre Ausstellungspraxen und entstehende europäische Museumsnetzwerke „europäisch“. Dabei wirft die europäische Integration als ein fortlaufender sozialer Prozess nicht nur Fragen nach politischen, juristischen und ökonomischen Grenzen Europas auf. Vielmehr gilt es, die darin verborgenen kulturellen und sozialen Grenzziehungen offen zu legen – und damit auch fragile Konzepte einer „europäischen Identität“.

Im Rahmen von „Exhibiting Europe“ fokussiert das Berliner Teilprojekt erstens, wie Museen wie etwa das Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (Marseille), das Museum Europäischer Kulturen (Berlin), Migrationsmuseen und andere Ausstellungen auf europäische Identitäten verweisen. Wie werden dort Phänomene wie Migration, Mobilität und die symbolischen Grenzen Europas dar- und hergestellt? Gerade an Fragen der ethnischen, kulturellen und religiösen Diversität oder Kohäsion und an Konzepten von Integration bzw. Assimilation entzünden sich regelmäßig die Debatten um das Wesen und die Identität Europas – auch und besonders im Museum. Während Migranten_innen fester Bestandteil europäischer Realitäten sind, wird ihre Loyalität gegenüber den proklamierten „europäischen Werten“ – abgeleitet aus dem Christentum, der Aufklärung oder der Demokratie – immer wieder öffentlich bezweifelt und hinterfragt. Wie werden diese Debatten im musealen Raum verhandelt?

Transnationale Mobilitäten dürfen dabei jedoch nicht als etwas Neues begriffen werden. Sie erweisen sich vielmehr als ein historisches Phänomen, das seine Spuren in europäischen Gesellschaften hinterlassen hat. Daher werden zweitens die musealen Interpretationen der Emigration aus Europa in den Blick genommen. Welche Verknüpfungen werden zwischen der EU heute und dem Europa des 19. und 20. Jahrhunderts – charakterisiert etwa durch die Emigration in die „Neue Welt“, den Kolonialismus, aber auch das Commonwealth und andere politische, ökonomische und soziale Vernetzungen – hergestellt? Das Projekt untersucht, inwieweit diese „außereuropäische“ Geschichte Europas als Teil von Erinnerungspolitik und Identitätskonstruktionen behandelt wird.

Drittens fragt das Teilprojekt danach, welche europäischen Grenzen implizit und explizit im musealen Raum gezogen werden: who is not merely in, but also of Europe? (Hall 2004). Wo sind den Dramaturgien des Ausstellens zufolge die sozio-kulturellen und religiösen Grenzen der EU und Europas verortet? So vollzieht das Teilprojekt letztlich selbst die eingangs beschriebene zirkuläre Bewegung: Es verfolgt die Austauschprozesse zwischen der fachübergreifenden Debatte über Europa-Konzepte, die vorwiegend von europäischen Eliten geführt wird, und Diskursen über Migration. Beide beeinflussen die Bilder von Europa und der EU, die im Museum sichtbar werden.

 

Mehr zum Projektverbund: http://www.ntnu.edu/ifs/research/exhibiting

 

Veranstaltungen

  • Museums as Contact Zones - Museums as Conflict Zones?
    Rundtischgespräch mit Victoria Bishop Kendzia (IfEE), Andrea Meza Torres (IfEE) und Joachim Baur (Haus der Geschichte der BRD, Leipzig), Mary Stevens (UCL) und Kerstin Poehls (Moderation)
    im Rahmen des Kolloquiums „Follow the conflict. Ethnographien in Spannungsfeldern, Europäische Ethnologie als Spannungsfeld“, 16. Juni 2009
  • Exhibiting Europe. The development of European Narratives in Museums, Collections and Exhibitions, Tagung, 07.04.2011-09.04.2011, Oslo
    Tagungsbericht bei H-Soz-u-Kult

 

Publikationen

  • Poehls,Kerstin (2009): Zum Stand der Dinge: Migration im Museum, in: Natalie Bayer, Andrea Engl, Sabine Hess, Johannes Moser (Hg.): Crossing Munich. Beiträge zur Migration aus Kunst, Wissenschaft und Aktivismus. München, S. 94-98.
  • Poehls, Kerstin (2009): Vom Durchkreuzen der Erwartungen. Wie Migration museal wird, ohne MigrantInnen zu Objekten zu machen, in kulturrisse. Zeitschrift für redikaldemokratische Kulturpolitik 3, S. 50-5