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Anke te Heesen: Die Entstehung der Ausstellungsmonographie. Über Kataloge, Abbildungskonventionen und historiographische Entwürfe

Bericht über den Vortrag im Institutskolloquium am 2. Dezember 2014; von Silje Habedank

In ihrem Vortrag stellt Anke te Heesen Gedanken zu ihrem aktuellen Projekt über das neuere Ausstellungswesen vor. Ein Aspekt ist die Analyse der Weiterentwicklung von Ausstellungskatalogen zu Ausstellungsmonographien.

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die Feststellung, dass das Museum häufig mit seinen Sonderausstellungen verwechselt wird. Museen mit Sonderausstellungen erregen mehr Aufmerksamkeit und bleiben länger im Gedächtnis. Ausstellungen sind nicht mehr zwangsläufig mit dem Museum verbunden, finden immer häufiger an anderen Orten statt und auch die Macher einer Ausstellung rücken zunehmend in den Fokus der Wahrnehmung. Neu ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der Ausstellungskataloge. Bilder und Ausstellungen werden zunehmend zusammen gedacht, wodurch die Kataloge sich weiterentwickeln, neue Formate gewinnen und immer mehr den Status einer Monographie erhalten.

Ein Beispiel dieser Entwicklung ist der Katalog der Ausstellung Wunderblock. Eine Geschichte der modernen Seele. Die Ausstellung wurde im Zuge der Wiener Festwochen von Jean Claire, Cathrin Pichler und Wolfgang Pircher kuratiert und am 26.4.1989 eröffnet. Thema der Ausstellung ist die Arbeit Sigmund Freuds mit Bezug zur Stadt Wien. Drei Wochen später wurde die Ausstellung mit dem Titel L'Âme au corps, art et sciences im Grand Palais in Paris eröffnet, dieses Mal mit dem Bezug zu Frankreich. Das Besondere ist, dass zum ersten Mal das Resultat der Interaktion von Kunst und Wissenschaft Gegenstand einer Ausstellung war.

Wie sich all das in der Weiterentwicklung der Ausstellungskataloge wiederspiegelt, lässt sich anhand von vier Kriterien feststellen: Erstens nähert sich der formale Aufbau der Kataloge den Monographien an. Den Kuratoren wird dabei die Autorenschaft zugeschrieben. Zweitens steht nicht der Bestand der Objekte, sondern die Veranschaulichung des disziplinübergreifenden Themas im Mittelpunkt. Somit werden diskursive Schichten freigelegt und verschiedene Perspektiven eröffnet. Drittens wird den Bildern eine neue Rolle zugewiesen. Die Objekte auf den Bildern sind freigestellt und bekommen mehr Raum; damit können sie für sich den Status der Quelle beanspruchen. Die Objekte werden in langen Bildstrecken, oft nur mit kurzen Kommentaren versehen präsentiert und die Bilder werden neben den Text gedruckt. Viertens wird Foucaults Verfahren der Relationalität von Text und Bild eingesetzt. Das Nebeneinander der Bilder verdeutlicht ihre Bezüge zueinander. Durch dieses Prinzip der Abbildung werden die einzelnen Beiträge wie durch einen roten Faden miteinander verknüpft. Die alten Funktionen der Kataloge bleiben erhalten, werden jedoch in den neuen Ausstellungsmonographien um die Zeugenschaft der Objekte erweitert. Raum und Theorie werden miteinander verschränkt und durch die neue Art der Darstellung wird eine sinnliche Dimension ebenso wie eine diskursive Ebene eröffnet. Dadurch wird die Ausstellungsmonographie zu einem Gesamtkunstwerk.