Das Klaus Ronneberger Schallplattenarchiv
“Die Stadt als Archiv. Eine öffentliche Archivwerkstatt zum Klaus-Ronneberger-Schallplattenarchiv”
Wann und wo: Mittwoch, 20.5., 18-21h, Raum 408, Institut für Europäischer Ethnologie, Anton-Wilhelm-Amo-Str. 40, 10117 Berlin, organisiert vom Labor Migration sowie der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Alltagskultur
Beteiligte: Imran Ayata, Lynhan Balatbat-Helbock, Jochen Becker, Manuela Bojadžijev, Haim Cattaneo, Melanie Garland, Gabriel Schimmeroth, Jonas Tinius & Gästen
OrganisatorInnen: Jonas Tinius, Manuela Bojadžijev
Was ist eine Stadt, wenn nicht auch ein Archiv? Städte sind Gefüge aus Spuren, Überlagerungen und Bewegungen – materielle und immaterielle Archive des Sozialen. Orte, an denen sich ideologische Kämpfe, alterkulturelle Praktiken und politische Vorstellungen sedimentieren. Gleichzeitig sind Archive Ablagerungen von Stadt: voller Klänge, Stimmen, und verkörperter Praktiken, die sich in Archive einschreiben und diese prägen – aber häufig unsichtbar oder unerkundet bleiben.
Vor diesem Hintergrund entsteht derzeit das Klaus-Ronneberger-Schallplattenarchiv, das rund 2500 Schallplatten aus dem Nachlass des Urbanisten, Sozialwissenschaftlers und ehemaligen Plattenhändlers Klaus Ronneberger umfasst. Klaus Ronneberger ist vor einem Jahr unerwartet verstorben und seine Sammlung soll nun im Rahmen der Arbeit der Abteilung Migration in globaler Perspektive des Berliner Instituts für Migrationsforschung der Humboldt-Universität und der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Alltagskultur am Institut für Europäische Ethnologie im Zusammenhang mit dem dort beherbergten Archiv für Alternativkultur erschlossen werden. Parallel dazu wird ein Findbuch erarbeitet, das neben digitalisierten Plattencovern und Inlays auch eine Übersicht umfasst, um so einen ersten systematischen Zugang zur Sammlung zu ermöglichen.
Die Erschließung dieses Archivs bietet einen Anlass, grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Stadt, Archiv, Migration und Klang neu zu stellen. Ronneberger war nicht nur ein prägender Urbanist, der u.a. Réné Polleschs Theatertrilogie Wohnfragen mit seinem Buch Die Stadt als Beute inspirierte, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler von Schallplatten. In seinem Umfeld spielte gemeinsames Hören eine wichtige Rolle und bildete häufig den Ausgangspunkt für Gespräche und Diskussionen, bei denen auch gemeinsames Essen eine nicht unerhebliche Rolle spielte. In diesem Sinne war das Hören selbst Teil einer intellektuellen Praxis. Die Veranstaltung Sounds of the Cities. Klaus & Klaus & Co in der Buchhandlung proqm am 24. April hat diese Dimension der Sammlung zu seinem ersten Todestag aufgegriffen.
Mit der Integration dieser Sammlung in unser universitäres Archiv stellt sich jedoch eine Reihe offener Fragen. Welche Art von Material liegt hier eigentlich vor? Wie aktivieren wir in Lehre und Forschung eine Klangsammlung? Mit anderen Worten: Was lässt sich aus einer solchen Sammlung überhaupt “lesen”, "anschauen" und “hören” — wie und mit wem?
Dieser offene Workshop versteht sich als eine explorative Werkstatt, um über das Verhältnis von Archiv, Stadt und Klang nachzudenken. Ziel ist es, gemeinsam darüber nachzudenken, wie solche Sammlungen als Quellen für die Erforschung urbaner Kultur gelesen werden können – und welche Rolle Archive dabei spielen, neue Perspektiven auf Stadt, Kunst, Migration zu eröffnen.
Archiv-Seite
Das Archiv wird momentan digitalisiert und inventarisiert.
weitere Links und Veranstaltungen
https://pro-qm.de/event/sounds-cities-klaus-klaus-co (Veranstaltung zum ersten Todestag in der Buchhandlung proqm)
https://www.textezurkunst.de/de/articles/jochen-becker-nachruf-fuer-klaus-ronneberger/ (Nachruf von Jochen Becker)
Kontakt
Dr. Jonas Tinius, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Europäische Ethnologie