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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Europäische Ethnologie | Forschung | Labore | Media & Digital Anthropology | Curating the Digital in Everyday Life (MA-Studienprojekt)

Curating the Digital in Everyday Life (MA-Studienprojekt)

 

Wichtiger Organisatorischer Hinweis:

Das Studienprojekt wird im Sommersemester 2019 starten, wird allerdings bereits im Wintersemester 2018/19 durch ein MA-Seminar vorbereitet.

Alle Studierenden, die das Studienprojekt belegen möchten, sollten nach Möglichkeit auch das Vorbereitungsseminar besuchen, das außer in Modul 2 und 3 auch als Begleitseminar für das Studienprojekt in Modul 4 anrechenbar ist. Auch Studierende, die das Studienprojekt nicht belegen wollen, sind natürlich zur Teilnahme am Vorbereitungsseminar eingeladen; das Projekt ist dann nur in Modul 2 und 3 anrechenbar.

 

Vorbereitungsseminar (Wintersemester 2018/19): 

Medien der Alltäglichkeit: Theoretische Konzepte und methodische Zugänge der Medien- und Digitalanthropologie

Dienstag 16-18 Uhr, Raum 408 IfEE/CARMAH, Start 23.10.2018

Alle Infos: https://agnes.hu-berlin.de/lupo/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&publishid=148305&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfo&publishSubDir=veranstaltung

Das Vorbereitungsseminar bietet eine Einführung in die konzeptuellen und methodischen Perspektiven der Medien- und Digitalanthropologie innerhalb des Fachbereichs der Europäischen Ethnologie. Diese bieten Zugänge zur ethnografischen Analyse medienbezogener Routinen im Alltag, wobei wir uns auf den Umgang mit digitalen Medien (insbesondere Internet-Medien, Mobile Media) fokussieren.  Zu den behandelten konzeptuellen Perspektiven zählen die auf Medienpraktiken, Medien-Wissen, Medien-Geschichte, mediale Erfahrungen (Erleben, Fühlen, Wahrnehmen durch Medien), digitale Affordanzen, sowie Medien-Infrastrukturierungsprozesse. Anhand kleinerer empirischer Übungen werden diese Konzepte nicht nur theoretisch durchdacht und diskutiert, sondern zugleich ethnografisch erprobt. Dabei gehen wir wiederholt auf die Frage ein, wie spezifische Methoden der Medienethnografie bzw. digitalen Ethnografie (bspw. teilnehmende Beobachtung im Internet, Codierung von Social Media Posts, Affordanz- und Infrastrukturanalyse) dabei helfen, die jeweiligen konzeptuellen Perspektiven konkret empirisch umzusetzen.

Das Seminar bietet die Möglichkeit, eine MAP-Prüfung im jeweils gewählten Modul abzulegen. Für die MAP wählen sich die Studierenden eigenständig ein medienbezogenes Alltagsphänomen und erproben die Umsetzung der theoretischen Konzepte und ethnografischen Zugänge in Form einer schriftlichen Hausarbeit.

 

Studienprojekt (Sommersemester 2019 und Wintersemester 2019/2020):

Curating the Digital in Everyday Life

In unserem Alltag häuft sich der „digital stuff“: Bilder, Videos, Musik, virtuelle Gegenstände, aber auch tagesaktuelle Nachrichten, Informationen und digital gespeicherte Wissensbestände, Meinungen, Konversationen, Werbung, Kontakte, u.v.m. – vieles davon wird von anderen Akteur*innen erstellt und uns über das Internet vermittelt; anderes steuern wir selbst zu dieser digitalen Masse bei. Das Seminar geht von der Beobachtung aus, dass in dieser Situation der digitalen Überfülle viele Alltagsakteur*innen eigenständige Praktiken des Kuratierens entwickeln und umsetzen. Seien es Instagram-Profile, YouTube-Kanäle oder Spotify-Playlisten, seien es Reviews auf Google-Maps, politische Debatten auf Twitter, Wikipedia-Artikel oder Diskussionen in Fanforen: Akteur*innen wählen in diesen Formaten und Prozessen aus der Masse digitaler Daten aus, sie „sorgen sich um“ sie („curare“), pflegen sie und stellen ausgewählte Einheiten zu bedeutungsvollen sowie ästhetisch und emotional wirksamen Kollagen zusammen. Teils entstehen so private Sammlungen und Kollektionen, häufig werden sie aber auch mit einem erweiterten Kreis an Akteur*innen, mit Followern oder gleich öffentlich geshared und dabei auf spezifische Weise kontextualisiert und gestaltet. Akteur*innen nutzen Bearbeitungsprogramme, Filter, Hashtags, Kommentare und Emojis, um die digitalen Einheiten auf spezifische Weise zu verändern und zu Rahmen, oder sie erschaffen bspw. durch Memes oder Video-Remixes ganz neue und eigenständige Werke in Rekombination des Bestehenden. Insofern das Digitale nicht nur für sich existiert, sondern immer auch ein Netzwerk an Verweisungszusammenhängen zu faktischen Umwelten, physischen Artefakten und tatsächlichen Personen bildet, werden diese Praktiken des Kuratierens zum prägenden Teil des In-der-Welt-Seins der involvierten Alltagsakteur*innen.

Das Studienprojekt folgt diesen Praktiken des „Curating the Digital in Everyday Life“ durch ethnografische Zugänge. Gesucht werden Prozesse, in denen visuelle, auditive oder textliche digitale Einheiten durchsucht oder gesammelt, verwaltet oder gestaltet und schließlich geteilt bzw. „ausgestellt“ werden. Neben teilnehmender Beobachtung und Interaktion im Internet (bspw. Chats auf Instagram und Facebook, teilnehmende Beobachtung in Online-Computerspielen, autoethnografische und sensorische Ansätze) und einer sorgfältigen Analyse der entsprechenden Formate (bspw. von Social Media-Profilen, Spotify-Playlisten oder YouTube-Kanälen) werden wir ko-laborative Verfahren entwickeln, um bspw. mit Hilfe von Medientagebüchern Einblick in die entsprechenden Routinen des Kuratierens zu erhalten.

Die Analyse bleibt allerdings nicht auf Seite der menschlichen Akteur*innen stehen. Eine zentrale Rolle spielt die Frage, wie sich wiederum die spezifischen Affordanzen digitaler Medien (von Möglichkeiten der textlichen, auditiven und bildlichen Kommunikation bis hin zu Funktionen der Verlinkung, des Hash- und Geotagging, oder Likes und Emojis, etc.) in den Prozess des Kuratierens einschalten. Insbesondere dort, wo das Kuratieren im Wechselspiel mit algorithmisierten Prozessen stattfindet (bspw. Face-Tracking bei der Auswahl von Fotos, Social Bots als Nachrichtenverbreiter, oder die automatische Zusammenstellung von Playlisten), ist eine Analyse der technischen Infrastrukturen der entsprechenden Medien und der in sie eingeschriebenen Affordanzen unerlässlich. Die Studierenden gehen dazu den entsprechenden Algorithmen auf den Grund, führen selbstständig Recherchen durch und sprechen nach Möglichkeit mit IT-Expert*innen, um das Verständnis für die involvierten technischen Affordanzen zu vertiefen.

Die Studierenden arbeiten in kleineren Arbeitsgruppen zu Fokusthemen innerhalb des übergeordneten Themenbereichs. Derzeit sind folgende Arbeitsgruppen angedacht (Änderungen vorbehalten):

• Curating Everyday Beauty & Memories: Im Zentrum stehen hier digitale Bilder, Videos oder Texte, die Einblicke in die „Ästhetisierung des Alltags“ durch Instagram und Co geben. In einer Spannbreite von „#foodporn“ über „Urlaubs-Selfies“ bis hin zu „Instagram-Stories“ werden Bilder vom eigenen Alltag und Umfeld gesammelt und ausgestellt, wiederum von anderen aufgegriffen, geshared und kontextualisiert. Nicht zuletzt geht es hier auch um die Frage von kuratierten Selbstbildern, die heute oft durch digitale Medien mitgestaltet werden. Zugleich ist der Themenbereich eng verknüpft mit der Frage nach Medienpraktiken des Erinnerns. Denn das massenhafte Sammeln alltäglicher Eindrücke führt zu einer Unmenge an digitalen Einheiten mit starkem Erinnerungspotenzial. Relevant ist deshalb auch die Frage, wie die Akteur*innen mit dieser Überfülle umgehen, wie sie gesammelte Alltagseindrücke auswählen, hervorheben oder vlt. auch löschen, um persönliche oder auch kollektive Vergangenheiten zu gestalten; und inwiefern sie sich auf algorithmisierte Affordanzen (vom Facebook-Jahresrückblick bis zum „Memories“-Feature auf iPhones) einlassen, um diese Überfülle zu bewältigen.

• Curating Knowledge (and Truth): Im Zentrum steht hier die Überfülle an digitalen (tagesaktuellen) Nachrichten, die über digitale Medien verbreitet werden. Auch hier begegnen wir auf einer Vielfalt an Plattformen – von Twitter über Image-Boards bis hin zu YouTube-Nachrichtenkanälen – Prozessen des Auswählens und Kuratierens einzelner digitaler Informationseinheiten, manchmal in Verbindung mit „populistischen“ bzw. polarisierend emotionalisierenden Praktiken. Aus Perspektive des Studienprojekts lassen sich hinter der Debatte um „post-faktische“ Meinungsbildung im Internet durchaus Praktiken des „Kuratierens von Wahrheit“ ausmachen, denen hier die Aufmerksamkeit gilt.
Zugleich setzt sich die Arbeitsgruppe mit Formaten der Wissensvermittlung im Internet – Paradebeispiel Wikipedia – auseinander, die ebenfalls in komplexe Prozesse des Kuratierens von Wissen eingebunden sind und dabei Wissensstandards diskursiv aushandeln.

• Curating Popular Pleasures: Das vergnügliche Sammeln, Bewahren und Bewerten von populärkultureller Artefakte ist nicht erst seit der fortschreitenden Digitalisierung integraler Bestandteil von Populärkulturen, doch digitale Medien bringen neue Aspekte in diese Prozesse ein. Hier gilt die Aufmerksamkeit bspw. Spotify-Playlisten, YouTube-Remixes, Fanforen-Diskussionen, in denen Akteur*innen als „Prosument*innen“ nicht nur an der Konsumption sondern zunehmend an der Gestaltung von Populärkulturen teilhaben. Das Sammeln und Kuratieren wird hier zum vergnüglichen Selbstzweck. Dieses Prinzip wird zugleich von Computerspielen aufgegriffen, in denen es häufig (u.a.) um die Auswahl, Gestaltung und das Zurschaustellen virtueller Artefakte geht, wobei diese Prozesse integraler Bestandteil des Spielvergnügens sind.

• Curating Value: Die vierte Arbeitsgruppe nimmt eine Querschnittsperspektive ein und fragt, inwiefern Praktiken des „Curating the Digital“ zugleich mit Praktiken der ökonomischen Inwertsetzung verflochten sind. Im Bereich „Curating Everyday Beauty & Memories“ wäre beispielsweise nach dem Aspekt der berufliche Selbstdarstellung über kuratierte Facebook- oder Instagram-Profile zu fragen, oder nach dem Wert von Google-Reviews  zu spezifischen, als schön empfundenen Orten in der Stadt, oder nach der zunehmenden Bedeutung von „Influencern“, die Videos und Bilder für Werbung durch Produktplatzierungen nutzen. Auch im Bereich „Curating Knowledge“ sind die Prozesse der politischen Meinungsbildung durch das „Kuratieren von Wahrheit“ eng mit ökonomischer Wertschöpfung verknüpft, geht es doch bei der emotionalisierten politischen Meinungsbildung im Netz auch um die Umsetzung ökonomischer Interessen. Und im Bereich der „Popular Pleasures“ ist das Kuratieren besonders integral an ökonomische Prozesse gebunden, insofern die entsprechenden populärkulturellen Artefakte Waren sind, die durch mediengestützte Aushandlung an Bedeutung und somit an Wert gewinnen.

Alle Gruppen verwenden von Beginn des Projekts an die Datenanalyse-Software Maxqda. Im Seminar wird eine entsprechende Einführung (äquivalent zu einem Einführungsworkshop) gegeben und es werden im Projektverlauf Kompetenzen in der softwaregestützten Analyse unstrukturierter ethnografischer Daten (auch visueller und auditiver) erworben.

Die für das Seminar zentralen theoretischen Konzepte werden zu Beginn des Projekts eingeführt. Grundsätzlich folgt das Projekt den theoretischen Leitlinien der Medien- und Digitalanthropologie, bezieht aber auch Konzepte aus der Museumsforschung, der Populärkulturforschung und Cultural Studies, der kulturanthropologischen Emotionsforschung und Sensory Ethnography, sowie der Science and Technology Studies (STS) mit ein.

Als Ergebnis des Seminars entsteht – der inhaltlichen Ausrichtung entsprechend – eine digital kuratierte Ausstellung in Form von interaktiven MindMaps, die zugleich selbst zum Gegenstand des Kuratierens des Digitalen werden und dadurch nicht nur in ihren Inhalten, sondern in ihrer Form die Forschungsergebnisse wiederspiegeln. Die MindMaps werden der Institutsöffentlichkeit voraussichtlich im Rahmen des Institutskollquiums am IfEE präsentiert und werden im Anschluss als digitale Ausstellung auf der Webseite des Media & Digital Anthropology Lab des IfEE veröffentlicht.

 

Bitte um Anmeldung:

Insofern das Seminar intensiv in allen Sitzungen mit Computertechnik arbeitet, aber das IfEE nicht über einen PC-Pool verfügt, ist ein eigener Laptop mit Betriebssystem Mac OSX/Windows von Vorteil. Aus diesem Grund wird um Voranmeldung zum baldmöglichsten Zeitpunkt gebeten mit den Angaben:

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Name

HU-Email-Adresse

Semesteranzahl im MA Europäische Ethnologie

Eigener Laptop ja/nein

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Die Voranmeldung gibt der Seminarleitung die Möglichkeit, im Falle von zu wenigen zur Verfügung stehenden Geräten entsprechend zu reagieren. Die angegeben Daten werden für keine anderen Zwecke als die Einschätzung der Seminarkapazitäten und die Kontaktaufnahme bzgl. des Projektseminars genutzt.