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Postmigrantische und postkoloniale Gesellschaft: Perspektiven aus der Schweiz

Akademische Debatte zur Verfasstheit der Schweiz im Hinblick auf Migration und Postkolonialismus. Organisiert von der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile" des BIM gememinsam mit dem "Labor Migration" des Instituts für Europäische Ethnologie.
  • Wann 12.01.2015 von 16:00 bis 18:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Raum 311, Institut für Europäische Ethnologie, Mohrenstraße 41, 10117 Berlin
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Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) veranstaltet von 16-18 Uhr im Raum 311 des Instituts für Europäische Ethnologie eine "Academic Debate":

Postmigrantische und postkoloniale Gesellschaft: Perspektiven aus der Schweiz

Glaubt man den Schweizer Volksinitiativen und den entsprechenden medialen Debatten vor allem im letzten Jahr, so scheint Migration etwas zu sein, das dem Land noch bevorsteht bzw. das tunlichst kontrolliert werden muss. Kolonialismus wiederum sei etwas, das man in der Vergangenheit nicht mitgemacht habe und daher die heutige Schweiz nicht beträfe. Dass längst rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung Migrationshintergrund hat und das Land auch ohne Kolonien historisch in vielfältiger Weise in den europäischen Kolonialismus verwickelt war, nach aussen wie nach innen, und des Weiteren auch von der Dekolonisierung profitiert hat, fällt dabei der institutionalisierten nationalen Amnesie anheim. Fakt ist, die Schweiz ist ein ebenso postmigrantisches wie postkoloniales Land. Fakt ist aber auch: Ein flexibles Assimilationsregime und neokoloniale Verflechtungen florieren inmitten eines helvetischen Sonderfallmythos, der selektives Wohlstandsversprechen (z.B. Wohlfahrtsstaat, aussenwirtschaftlicher Opportunismus) und kulturelle Überlegenheit (z.B. Demokratie, sozialer Frieden, Humanitarismus) auf ambivalente, aber opake Weise zu verbinden mag. Resultat dieser hegemonialen Akkumulations- und Identitätsmaschinerie ist eine segregierte Schweizer Gesellschaft, in der rund ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung keine Bürgerrechte hat, 1 bis 3% als Sans-Papiers illegalisiert werden, strukturelle Diskriminierung aufgrund von zugeschriebener Kultur und Herkunft nachweislich ist und fremdenfeindliche Volksinitiativen in den letzten Jahren beim "Stimmvolk" Mehrheiten gewinnen konnten. Dies alles, während es schwierig ist, kritische Positionen ausserhalb der hegemonialen Narrative zu formieren. In unserem Arbeitsgespräch möchten wir ausgehend von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen die Frage aufwerfen, in welcher Weise kritische Migrations- und Postkolonialismusforschung in der Schweiz im Konzept der postmigrantischen Gesellschaft zusammengeführt und in Hinblick auf widerständische politische Praxis gegen die eidgenössische Dominanzkultur produktiv gemacht werden könnten.

Es referieren Dr. Kijan Espahangizi (Geschäftsführer des Zentrums "Geschichte des Wissens", ETH & Universität Zürich), Dr. des. Rohit Jain (Sozialanthropologe, nccr - on the move, Université de Neuchâtel) und Halua Pinto de Magalhães (Co-Präsident der Second@s Plus Schweiz, Mitglied des Berner Stadtrats für die SP).


Im Anschluss wird es ein paar Snacks und Getränke geben.