Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Der Migrationshintergrund: Herstellung und gesellschaftliche Realität einer wissenschaftlichen Kategorie

 

Projektleitung:

Dr. Anne-Kathrin Will                   
Projektlaufzeit: 03/2019 bis 02/2022
Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)                     

 

Im Jahr 2005 wurden 17 Fragen zur Migration in die deutsche Repräsentativstatistik, den Mikrozensus, aufgenommen. Aus diesen Fragen zur Migration wird der Migrationshintergrund abgeleitet. Sie machen auch Nachfahren von Eingewanderten in der Repräsentativstatistik sichtbar, so dass sie seitdem zu den Personen mit Migrationshintergrund zählen, selbst wenn sie mit deutscher Staatsangehörigkeit in Deutschland geboren sind. Bisher existieren kaum Studien, die sich mit der Einführung, Umsetzung und Folgen der neuen statistischen Kategorie befassen. Um diese Lücke zu schließen, beschäftigt sich das Projekt mit der Einführung und Herstellung des Unterscheidungsmerkmals Migrationshintergrund und erkundet seine Auswirkungen im Alltag. Das Vorhaben lässt sich an der Schnittstelle von vier Forschungsfeldern verorten. Dazu gehören: 1) die ethnologische Beschäftigung mit Klassifikationssystemen, 2) wissensanthropologische und postkoloniale Untersuchungen zur Verbindung von Wissenschaft, Politik und Alltag, 3) Science and Technology Studies und 4) Forschungen zu nationalen und ethnischen Zugehörigkeiten. Diese vier theoretischen Bezüge sollen durch fünf empirische Zugänge miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Vorgesehen sind a) Feldforschungen in statistischen Ämtern als Produktionsstätten von Klassifikationen, b) Interviews mit Parlamentarier_innen, Verantwortlichen in Ministerien und statistischen Ämtern zur Entstehung und Weiterentwicklung der Mikrozensusfragen, c) Überblick über Definitionen des Migrationshintergrundes in ausgewählten wissenschaftlichen Disziplinen, d) mental maps zu deutscher Zugehörigkeit und Herkunft, e) Interviews mit in Deutschland Geborenen, die der sogenannten Zweiten oder Dritten Zuwanderungsgeneration zugerechnet werden sowie Personen ohne Migrationshintergrund. Die Ergebnisse sollen die Auswirkungen von Wissenschaft auf den gesellschaftlichen Alltag verdeutlichen. Dabei soll der Anspruch einer kritisch involvierten Ethnografie eingelöst und zu einer stärkeren Reflexion statistisch generierter Personenklassifikationen angeregt werden.

 

"Migration background": making and social reality of a scientific category


In 2005 seventeen new questions on migration entered the microcensus, the German representative population statistics. With the new questions on migration the so called migration background is generated. Hence the descendants of immigrants became visible in the official statistics as they were included in the group of “persons with migration background” even if they were born in Germany with German citizenship. So far the invention, implementation and far reaching consequences in everyday life were rarely studied. To close this gap, this project deals with the invention and implementation of the discriminatory feature migration background in the microcensus and its consequences in everyday life. The study is situated in the intersection of different research fields as there are:1) anthropological inquiries in classification systems, 2) studies in the field of anthropology of knowledge and postcolonial studies and their occupation with the connections between knowledge, politics and everyday life, 3) science and technology studies and 4) research on national and ethnic memberships. These four theoretical references will be combined and interrelated using different empirical approaches. These are a) research in statistical offices as the production facility of classifications, b) interviews with parliamentarians, responsible officers in ministries and statistical offices about the emergence and further development of the questions on migration in the microcensus, c) review of different migration backgrounds in other disciplines, d) mental maps of German belonging and ancestry, e) interviews with persons born in Germany who count as second or third generation immigrant and persons without migration background. The results will reflect the impact of science on everyday life. Thus this study is meant to be a critical involved ethnography which contributes to a critical reflection of statistical generated classifications of humans.