Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Forschungsprojekt „Die Mobilisierung klinischer Versorgung: Eine qualitativ-ethnographische Pilotstudie zu den Versorgungspraktiken im psychiatrischen Home Treatment“

Projektbeginn: Januar 2016
Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

An der Schnittstelle von Versorgungsforschung und Medizinanthropologie fokussiert das Projekt auf die alltägliche Arbeit von Professionellen und PatientInnen im Laufe des Umstellungsprozesses der klinisch-psychiatrischen Versorgung auf Home Treatment (HT), d.h. auf die multiprofessionelle Behandlung akuter Episoden im Lebensumfeld der PatientInnen. Die Verbindung der beiden Disziplinen ermöglicht zum einen, aktuelle Veränderungen im Versorgungssystem ethnographisch zu analysieren und zu einem empirisch-fundierten Verständnis des Versorgungsalltags beizutragen. Zum anderen erweitert diese Untersuchung das Verständnis der Rolle von Wissen, Expertise und Materialitäten in der wechselseitigen Veränderung von PatientenInnenalltagen und professionellen Routinen.

Das Projekt untersucht die Einführung des HT in dreifacher Hinsicht als eine Mobilisierung der klinischen Versorgung: Erstens werden Arbeitsroutinen und die Organisation der Klinik neu gestaltet. Zweitens erfordert das Verlassen der Institution von den MitarbeiterInnen ein Umlernen professioneller Behandlungsformen. Die Umsetzung der aufsuchenden Behandlung im HT verlangt auch von den PatientInnen neue Formen des Engagements, da sie für die Behandlung therapeutische Teams in ihren privaten Alltag aufnehmen. Drittens verlangt das Verlassen der Klinik eine aktive Anpassung von materiellen Infrastrukturen, wie etwa von Dokumentations- und Evaluationssystemen.

Eine qualitativ-ethnographische Analyse der dabei stattfindenden Mobilisierungsprozesse in ihrer unmittelbaren Umsetzung bietet die Möglichkeit, einerseits den anthropologischen Wissensstand zu Expertise im Wandel zu erweitern und andererseits zum Verständnis des psychiatrischen Versorgungsalltags beizutragen.