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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Francis Seeck

„Mehr als glitzernde Schaumbäder“ – Kollektive Selbstsorge und Community Care Praktiken in Trans*_genderqueer Aktivismus zwischen Selbstermächtigung und Neoliberalisierung

Betreuung: Prof. Dr. Beate Binder

Förderung/Stiftung: Rosa-Luxemburg-Stiftung

 

Abstract

Im Zentrum meines ethnographischen Projekts stehen kollektive Praktiken der Selbstsorge und Community Care in genderqueer_trans* aktivistische Räumen, die sich als Gegenentwurf zu pathologisierenden, individualisierenden und heteronormativen Care Räumen gebildet haben (Spade 2011, Schroth 2014). Die beiden Sammelbegriffe Trans* und genderqueer verweisen auf eine Vielzahl von Identitäten, Lebensweisen und Praktiken von Menschen, deren gelebtes Geschlecht von dem bei der Geburt zugewiesenen abweicht, bzw. die sich geschlechtlich nicht verorten (lassen) möchten (vgl. Franzen/Sauer 2010). In vielen Ländern, darunter Deutschland, wird die psychiatrische Diagnose der ›Geschlechtsidentitätsstörung‹ (DSM IV, ICD 10), oder ›Gender Dysphoria‹ (DSM V) vorausgesetzt, um trans*spezifische Gesundheitsversorgung und eine legale Anerkennung von Namen und Geschlechtsidentität zu erhalten. Die gesellschaftliche Marginalisierung von genderqueeren_Trans*-Personen ist umso wirkmächtiger, wenn Personen durch mehrere Diskriminierungs- und Herrschaftsverhältnisse konstituiert werden. Faktoren wie Alter oder Nicht-Zugehörigkeit zu der weißen deutschen nicht-behinderten Mittelschichtsnorm verschärfen Diskriminierung und Gewalt. So erhalten genderqueere_Trans* Personen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, weniger bis keinen Zugang zu staatlichen „Unterstützungs/Gesundheitsstrukturen“ (Spade 2011). Genderqueer_Trans* positionierte Menschen sind aufgrund dieser heteronormativen gesellschaftlichen Strukturen und Normen verstärkt darauf angewiesen, eigene Strategien zu entwickeln, mit Diskriminierungserfahrungen umzugehen. Kollektive Selbst_Sorge Praktiken in Trans* und genderqueeren Räumen umfassen beispielsweise ökonomische Unterstützungsnetzwerke (Fundraiser für OP- oder Beerdigungskosten), Self_Care Workshops bei Transtagungen, Trauma/Gewalterfahrungsprojekt, Online Selbstsorge Gruppe, Trans*_genderqueer Yoga/Meditations Gruppen und Besuchsangebote für ältere Trans*menschen.

Im Fokus der Arbeit stehen folgende Fragen:

Welche (neue) Formen von Kollektivität und Solidarität entstehen im Rahmen dieser Praktiken?

Welche Konzeptionen von Selbst und Gesundheit werden verhandelt? Wie wird mit neoliberalen und trans*normative Anrufungen umgegangen?

Wer sorgt sich um wen_was? Welche Rolle spielen hierbei die Strukturkategorien Dis_ability, class, race, gender?

Im Sinne einer multi-sided ethnography (Marcus 1995) löse ich mich von territorialen Gebundenheiten und folge den Selbst_Sorge-Praktiken aus den Privatwohnungen, Bauwagenplätzen und Vereinsräumen hinaus zu Tagungen, Demonstrationen und über nationale Grenzen hinweg. Ich kombiniere verschiedene qualitative Methoden (Teilnehmende Beobachtung, Qualitative Interviews, Mapping, Gruppendiskussionen, Dokumentenanalyse) miteinander.

 

Schlüsselbegriffe / Keywords

Queer Studies, Transgender Studies, Queer Social and Cultural Anthropology, Intersektionalität, Care Studies, Prekarisierung, Criticial Dis_ability Studies, Auto_ethnographie

 

Curriculum Vitae

2009- 2013 Studium der Kulturwissenschaften an der Europa Universität Viadrina, Frankfurt Oder
2010 Washington Semester, American University, Washington D.C., Transforming Communities and Public Policy
2013- 2016 Studium der Europäischen Ethnologie an der Humboldt Universität zu Berlin
2016: M.A.-Arbeit: “Recht auf Trauer?! Interventionen gegen anonyme ordnungsbehördliche Bestattungen in Berlin“
Seit 2009: Antidiskriminierungs- und Social-Justice Trainer_in , Schwerpunkte: Heteronormativität, Klassismus, Intersektionalität

Kontakt

Francis Seeck
E-Mail: francis.seeck (at) gmx.de