Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Patrick Wielowiejski

Neonationalismus und Sexualität: Eine queere Perspektive auf Homofreundlichkeit im westeuropäischen Rechtspopulismus (Arbeitstitel)

Betreuung: Prof. Dr. Beate Binder

Vorbereitung des Promotionsvorhabens gefördert durch das Research Track Scholarship der Humboldt Graduate School

 

Abstract

Rechtspopulistische Parteien in Westeuropa beginnen zunehmend, als Verteidigerinnen liberaler „westlicher Werte“ in Erscheinung zu treten, wie zum Beispiel der Akzeptanz von Homosexualität. Dieser Diskurs stellt einen historischen Bruch dar, sind Homosexuelle als „Andere“ doch traditionell als dem Wohl der Nation schädlich betrachtet und von rechten Parteien attackiert anstatt umworben worden. Die Arbeit nimmt dieses realpolitische Novum zum Ausgangspunkt für folgende Fragen: Wie wird die Akzeptanz von Homosexuellen in rechtspopulistischen Parteien diskutiert, diskursiv begründet und in national eingefärbte Selbstbilder eingebunden? Wie und warum wird der Neonationalismus im Gegensatz zum traditionellen Nationalismus – zumindest potenziell – offen für Schwule und Lesben?

Die Arbeit befasst sich mit diesem Phänomen aus der Perspektive der kulturanthropologischen Politikfeldanalyse (Anthropology of Policy) und verbindet diese mit Konzepten aus den Queer Studies. Die Rechtspopulismusforschung ist in erster Linie politikwissenschaftlich orientiert; kulturanthropologische Zugänge, die es vermögen strukturelle und akteurszentrierte Erklärungen zu verbinden, sind bisher selten. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Vorstellung von „Toleranz“ als zentralem europäischem Wert eine enorme Wirkmächtigkeit hat – insbesondere durch ihre juristischen Verankerungen – untersucht die Arbeit den Einfluss dieses Toleranzimperativs auf zeitgenössische westeuropäische Nationalismen anhand des Themas Sexualität.

Durch eine Kombination von diskursanalytischen und ethnografischen Methoden in ausgewählten Ländern Westeuropas soll eine Kritik der gegenwärtigen „historical conjuncture“ im Sinne der Cultural Studies ermöglicht werden, um zu fragen, welche Rolle der Topos der „Homofreundlichkeit“ im politischen und ökonomischen Kontext unserer Zeit spielt.

 

Schlüsselbegriffe / Keywords

Anthropology of Policy, Queer Studies, Rechtspopulismus, Neonationalismus, Homonationalismus, Konjunkturanalyse

 

Curriculum Vitae

2009-2013: Studium der Germanistischen Linguistik und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Oslo mit Abschluss BA;
2013-2014: Studium der Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin;
2014-2015: Studium der Cultural Studies am Goldsmiths College, University of London mit Abschluss MA

Kontakt

Patrick Wielowiejski
E-Mail: patrick.wielowiejski (at) hu-berlin.de