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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Europäische Ethnologie | Forschung | Publikationen | Berliner Abschlussarbeiten der Europäischen Ethnologie

Berliner Abschlussarbeiten der Europäischen Ethnologie

 

2017 | Band 1 der Berliner Abschlussarbeiten der Europäischen Ethnologie


Nikolas Schall
Verflochtene Stoffe
 

Globale und interdependente Phänomene rücken in den letzten 20 Jahren vermehrt ins Blickfeld der Kulturanthropologie. Ausgehend von ihrer fachspezifischen Methodik, der teilnehmenden Beobachtung, widmet sich die anthropologische Globalisierungsforschung nun vermehrt globalen Verbindungen und Machtverhältnissen. Basierend auf einer zweimonatigen Feldforschung im Norden Kameruns, diskutiert die Arbeit Verflochtene Stoffe – Ethnographie einer globalen Assemblage globale Interdependenzen und Globalisierungsprozesse an dem empirischen Beispiel des 2011 im Tschadbecken entstandenen informellen Baumwollhandels. Postkolonialen Theoretiker_innen folgend, analysiert die Arbeit die gegenwärtigen Globalisierungsprozesse vor dem Hintergrund kolonialer Ausbeutung und imperialer Herrschaft. Räumlich entfernte Akteur_innen und Institutionen haben im Kontext von Kolonialismus, Neokolonialismus und Neoliberalisierung den kamerunischen Baumwollsektor mitgeprägt und einen Einfluss auf das Leben der Baumwollproduzenten entwickelt. Auch aktuell findet der Verkauf von Baumwolle auf den globalisierten Rohstoffmärkten vor dem Hintergrund ungleicher Machtverhältnisse statt. Der kamerunische Baumwollproduzent scheint an keiner Stelle die Möglichkeit zu haben, aktiv an den Aushandlungsprozessen des offiziellen Baumwollhandels teilzunehmen. In diesem Kontext lässt sich der informelle Baumwollhandel, der von einem im Winter 2010/11 entstehenden transnationalen Netzwerk verschiedener Akteur_innen organisiert wurde und innerhalb weniger Monate den Verkauf von 26.000 Tonnen Baumwolle von Kamerun nach Nigeria ermöglichte, als Einschreiben in globale Aushandlungsprozesse verstehen. In der Arbeit findet somit eine Analyse wirtschaftlicher und politischer Prozesse statt, wobei auf die machtvollen Strukturen globaler Märkte, (neo)kolonialer Abhängigkeiten und der subalternen Position der Produzenten im globalen Süden eingegangen wird. Anhand des Phänomens des informellen Baumwollhandels wird aber auch deutlich, dass die Subalternen aktiv handelnde Akteur_innen der Globalisierung sind.

 

Over the last twenty years anthropology became more interested in global and interdependent phenomena. The emerging anthropological research on globalization processes often focusses on global connections and power relations while still following the discipline’s original method of participant observation. Based on a two month field research in the North of Cameroon, the Master thesis Entangled Cotton – An Ethnography of a Global Assemblage discusses global interdependencies and processes of globalization while focusing on the empirical example of informal cotton trade emerging in 2011 in the Chad Basin. Following postcolonial approaches, the paper analyses present globalization processes against the backdrop of colonial exploitation and imperial ruling. In the contexts of colonialism, neocolonialism and neoliberalization, different actors from very different geographical locations shaped the Cameroonian cotton sector and influenced the lives of cotton producers. While sharing the assumption that today’s cotton trade is shaped by the unequal power relations of a globalized market in which the Cameroonian cotton producers seem to have little chance to defend their interests, the paper goes on to argue that a temporarily emerging informal transnational cotton trade in the Chad Basin allowed the latter to actively take part in the negotiation processes. Based on a transnational network of diverse actors, the informal trade emerged in 2010/11 and allowed for around 26.000 tons of cotton to be exported from Cameroon to Nigeria in only a few months. The Master thesis analyses economical and political processes while focusing on the powerful structures of globalized markets, (neo)colonial dependencies and the subaltern position of producers in the global south. The analyzed phenomena of informal transnational cotton trade thereby shows how subalterns are active agents of globalization processes.