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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Institutskolloquium


Neuer Veranstaltungsort & Neue Uhrzeit

 

dienstags 14 - 16 Uhr c.t.
Hausvogteiplatz 5-7
10117 Berlin
Raum 0007

 

 

  • Die Veranstaltungen finden wechselnd auf Deutsch oder Englisch statt.
    Events will take place variously in German and English. 
  • Abendveranstaltungen finden entweder dienstags oder donnerstags von 18 - 20 Uhr statt.
    Evening events take place from 18 - 20h - either on Tuesday or Thursday
  • Veranstaltungen mit einem * finden zu anderen Zeiten oder in anderen Räumlichkeiten statt. Bitte konsultieren Sie dazu das unten stehende Programm.
    Events with * will take place at deviant times, days or locations - Check the programme below

 


Ethnographies of the Contemporary
Perspektiven und Positionen einer Anthropologie des Politischen

 

Wie lässt sich der politische Moment, den wir gegenwärtig durchschreiten, begreifen? „Das Ende der liberalen Demokratie“, „Flüchtlingskrise“, „Festung Europa“ oder „drohendes Staatsversagen“ sind einige der prominenten Schlagworte aktueller Debatten, die auf Eines hinweisen: Die Grundlagen und Grundbegriffe des politischen Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Selbstverständigung sind in Bewegung geraten, teils im Verschwinden begriffen. Diese Entwicklungen fordern nicht nur den etablierten politischen Betrieb heraus, sondern auch die Begriffe und Herangehensweisen, die wir zu ihrer Analyse nutzen.

Im Zentrum dieser Vorlesungsreihe steht die Frage, welches konzeptionelles und methodisches Instrumentarium die zeitgenössische Anthropologie anzubieten hat, um den gegenwärtigen politischen Moment analytisch zu durchdringen. Welches Potenzial bietet eine Differenzierung zwischen „Politik“ und dem „Politischen“ für disziplinäre Begriffsbildung und ethnografische Forschung? Und kann es gerade durch einen ethnografischen Ansatz gelingen, die Ausblendungen hegemonialer Debatten, alternative politische Geschichten und Zukunftsvisionen oder den Alltag und die Praxen der „Namenlosen“ als konstitutive Elemente des Politischen in den Blick zu nehmen?

Wir knüpfen hiermit auch an interdisziplinäre Debatten an, in denen das „Politische“ vielstimmig als eine dem Sozialen „Form gebende Gründungsdimension“ (Marchart 2010) diskutiert wird. Demnach lässt sich das Politische als ein elementares Feld verstehen, aus dem sich Politik als institutionalisierter Ort der Machtausübung und Konfliktregulierung herausbildet, dem aber zugleich dauerhaft das Potenzial innewohnt, Zusammenleben ganz anders zu konzipieren, zu ordnen und zu gestalten. Wenn die Regelhaftigkeit des Sozialen brüchig wird oder routinierte administrative Prozesse ins Stocken geraten – etwa im Zuge von unerwarteten Ereignissen, Reibungen, Krisen oder Revolutionen – tritt das Politische deutlicher hervor und wird empirisch greifbar.

In diesen Debatten treffen unterschiedliche theoretische Perspektiven aufeinander und werden neu zueinander positioniert. So lassen sich etwas eine „assoziative“ und eine „dissoziative Traditionslinie“ (Marchart 2010) unterscheiden. In der ersten Denkrichtung wird das Politische als ein (Zwischen-)Raum der Freiheit, Versammlung und öffentlichen Erörterung, der sich im Zusammenleben immer wieder neu herausbildet, verstanden. In der zweiten Perspektive werden primär primordiale Antagonismen, erratische Machteffekte und soziale Kämpfe als die Grundelemente des Politischen betont.

Im Rahmen dieses Kolloquiums werden Bezugnahmen auf unterschiedliche Konzepte des Politischen – wie sie etwa Hannah Arendt, Alain Badiou, Chantal Mouffe, Judith Butler, Michel Foucault oder Bruno Latour entwickelt haben – in Dialog gebracht und auf ihre Brauchbarkeit für zeitgenössische anthropologische Fragestellungen diskutiert. Von Interesse sind hierbei insbesondere die ethnografischen Potenzialen, die sich aus einem jeweiligen Fokus auf das Politische ergeben. In den Vorträgen wird dieser Nexus anhand von Forschungsfeldern und konzeptionellen Interventionen zu humanitären Projekten, und Grenzregimen, dem politischen Leben von Infrastrukturen, und queer politics, Migrationsbewegungen und den zeitgenössischen Rekonfigurationen Europas ausgeleuchtet. Hierbei geht es auch um die Vermessung des kontemporären Momentes, in dem Utopien und Zukunftsvisionen abhanden gekommen scheinen. Im Zuge von Konflikten, multipler sozialer Bewegungen oder der kollektiven Beschäftigung mit „Dingen von Belang“ (Bruno Latour) tritt das Politische um so deutlicher hervor und wird zur Quelle unterschiedlicher Formen des Hoffens und Sehnens, der Mobilisierung wie auch der Ernüchterung (Dzenovska & De Genova 2018).

 

Literatur:
Jens Adam & Asta Vonderau: (Hrsg.): Formationen des Politischen. Anthropologie politischer Felder. Bielefeld 2014.
Pierre Bourdieu: Über den Staat. Vorlesungen am Collège de France 1989-1992. Berlin 2014.
Dace Dzenovska & Nicholas De Genova: Introduction. Desire for the political in the aftermath of the Cold War. In: Focaal. Journal of Global and Historical Anthropology 80 (2018), pp. 1-15.
Bruno Latour: From Realpolitik to Dingpolitik or How to Make Things Public. In: Bruno Latour & Peter Weibel: Making Things Public. Atmospheres of Democracy. Cambridge 2005, pp. 4-31.
Oliver Marchart: Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben. Berlin 2010.
Yael Navaro-Yashin: ‘Life is dead here’. Sensing the political in ‘no man’s land’. In: Anthropological Theory, 3,1 (2003), pp. 107-125.
Johanna Rolshoven & Ingo Schneider (Hrsg): Dimensionen des Politischen. Ansprüche und Herausforderungen der Empirischen Kulturwissenschaften. Berlin 2018.

 

To the English Version

Programm als PDF-Dokument

 

  Titel Vortragende_r

16.10.

Desire for the Political: Ethnography and Politics after the Cold War

Dace Dzenovska (University of Oxford)

23.10.

Badiou out of Place: Multiplicities, Ontologies, and the Lived Experience of Forced Migration

Elizabeth Cullen Dunn (Indiana University, Bloomington)

30.10.

Archives of Refuge

Roundtable with Arjun Appadurai (New York University), Regina Römhild (HU Berlin), Mohammad Sarhangi (HKW, Berlin), Marcia C. Schenck (FU Berlin), Nadiye Ünsal (Labor Migration Berlin)

06.11.

Konjunkturen der Moralismus-Kritik: agonale Bestimmungen des Politischen zwischen Zeitdiagnostik und Ethnografie

Moritz Ege (Universität Göttingen)

13.11.

Queering Europe: On the Sexual Politics of Europeanisation

Monika Baer (University of Wrocław), Paul Mepschen (University of Amsterdam) & Patrick Wielowiejski (HU Berlin)

20.11.

The Politics of Life at the Margins: Truth, Power and Collective Conduct 

Michele Lancione (University of Sheffield)

27.11.

Doing Gender in a Refugee Camp: Politics and Ethics beyond a Subject

Čarna Brković (Universität Göttingen)

04.12.

Aus den Tiefen der Fernseharchive - eine Rekontextualisierung der Filme und Moderation von Navina Sundaram
 

Merle Kröger (Berlin) und Mareike Bernien (Berlin) 

11.12.

Of Politics and Personhood. Considerations from Slovenia

Gretchen Bakke (HU Berlin)

18.12.

The Materiality of "Transition": Infrastructure as a Political Terrain in South Africa

Antina von Schnitzler (The New School, New York)

10.01.*

Forced Exile as a Form of Life
Sondertermin: Donnerstag 18 Uhr c.t.

Didier Fassin (Institute for Advanced Study, Princeton)

15.01.

On Political Refusal: Sayasat and Democratic Disavowal in Post-Revolutionary Kyrgyzstan

Madeleine Reeves (University of Manchester)

22.01.*

Data Natures: of Ethnographies, Troubles and bridges (inaugural lecture/Antrittsvorlesung)
Sondertermin: Abendveranstaltung 18 Uhr c.t. am IfEE, Raum 408

Tahani Nadim (Museum für Naturkunde & HU Berlin)

29.01.

The Only Game in Town? Anthropology and the Housing and Real Estate Markets in Berlin
Präsentation des MA-Studienprojektes

Studierende, Tomás S. Criado & Ignacio Farías (HU Berlin)

01.02.*

Ambivalenzen in den Verflechtungen von Migration, Gender und Care
Präsentation des MA-Studienprojektes "Migration, Gender und Care"
Extra: Freitag 11:15 - 12:45, im Hauptgebäude der HU (Raum wird noch bekannt gegeben)

Studierende & Urmila Goel (HU Berlin)
05.02. Beyond Swamps: Mess as Politics, Mess as Resistance Martin F. Manalansan (University of Minnesota, Twin Cities)

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