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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Studienprojekte

 

  • ab Wintersemester 2019/20
Metabolismen des Anthropozäns: Klima - Körper - Stadt

Prof. Dr. Ignacio Farias

Im Studienprojekt ‚Komisches Wetter: Klima – Körper – Stadt‘ werden wir uns mit den theoretischen und methodologischen Herausforderungen auseinandersetzen, die die Klimakrise an die Anthropologie und insbesondere an die Ethnographie stellt. Ausgehend von der anthropologischen und umweltgeisteswissenschaftlichen Literatur, die sich heute theoretisch, empirisch und kritisch mit dem Anthropozän beschäftigt, werden wir über zwei Semester lang ethnographische Forschungsprojekte konzipieren, entwickeln und durchführen, die den Fokus auf die Transformation von Praktiken und Politiken städtischer Naturenkulturen insbesondere in Berlin legen.

Die Figur des ‚komischen Wetters‘ evoziert dabei eine erste Öffnung für eine kosmo-politische Problematisierung der Welt, die mit solchen stadtökologischen Transformationen einhergeht. Sie steht auch für unser Interesse an situierten, körperlichen und affektiven Wissens- und Wertungsformen, die gleichzeitig in klimawissenschaftlichen und politischen Narrativen verflochten sind. Der Nexus ‚Klima – Körper – Stadt‘ beschreibt allgemein den Forschungsgegenstand, dem ethnographische Forschungsprojekte sich widmen werden, wobei jeder Terminus für unterschiedliche Konfigurationen zwischen Klimawissenschaft, -märkte und politik, menschliche und nichtmenschliche Körper, Stadtregierung und Stadtgesellschaft steht. In der empirischen Artikulation solcher Konfigurationen über verschiedene Logiken und Maßstäbe hinweg liegt das zentrale Erkenntnisinteresse des Studienprojektes.

Lernziele
Neben dem praxisbasierten Erlernen des ethnographischen Forschens und Schreibens verfolgt das Studienprojekt spezifischere Lernzielen theoretischer, empirischer und kritischer Natur: 

  • erstens die Erkundung, Aneignung und Reflexion von theoretischen und begrifflichen Repertoires der Anthropologie, die die Verflechtung menschlicher Praktiken und mit nichtmenschlichen Lebensformen und Treibkräften konzeptualisieren und so die Möglichkeit einer nicht anthropozentrischen Anthropologie begründen,
  • zweitens die Erkundung, Aneignung und Reflexion von Praktiken und Grenzen der ethnographischen Erforschung und Repräsentation nichtmenschlichen Agenten, die sich Formen der linguistischen Kommunikation entziehen, und geologischen Prozessen und Transformationen, die Maßstäbe menschlicher Sinneswahrnehmung überschreiten,
  • drittens das Experimentieren mit kollektiven, kollaborativen und multimodalen Formen und Formaten der ethnographischen Repräsentation und Intervention, also die Nutzung einer digitalen Forschungsplattform für die kollektive Sammlung und Auswertung von Daten, die kollaborative Anpassung mit epistemischen Partner*innen von Problemstellungen und Forschungsfragen, sowie die Arbeit an artefaktuellen und spekulativen Forschungsergebnisse als multimodale Instanzen der Begegnung und Intervention in Forschungsfeldern    

 

Von Probebühnen und Experimentier-Laboren – Ethnographische Erkundungen im Humboldt Labor

Prof. Dr. Silvy Chakkalakkal

Die Bildungsinstitutionen Schule und Universität adressieren ein breites und diverses Publikum. Das Thema Partizipation und das Problem der Exklusivität von (Bildungs)Wissen ist dabei ein wiederkehrender Topos, der sowohl von den Sozial- und Kulturwissenschaften als auch in Bereichen von Politik und Öffentlichkeit verhandelt wird. Diese Überlegungen sind ebenso relevant für Museen und Ausstellungsräume als öffentliche Institutionen mit einem oftmals dezidiert formulierten Bildungsauftrag Bildungsauftrag. In all diesen Kontexten offenbart sich „Bildung“ als fortwährendes Brennglas unterschiedlicher sozialer Problemlagen, konflikthafter Interessen und unterschiedlicher Publika.

Das ethnographische Forschungsprojekt bringt Studierende in Kontakt mit dem Humboldt Labor, dem interdisziplinären Ausstellungsraum der HU, der im Sommer 2020 im Humboldt Forum eröffnet wird. Das Humboldt Labor versteht sich in eigener Beschreibung als lebendige Ideenwerkstatt der Humboldt-Universität und ihrer Partner. Seine Formate sind ebenso vielfältig wie seine Themen: In Ausstellungen, Workshops, wissenschaftlichen Experimenten, Vorlesungen, Diskussionsreihen, Performances, Medieninstallationen und Forschungsstationen im Raum sollen die zukünftigen Besucher_innen die Chance erhalten, sich mit aktuellen Forschungsfragen auseinanderzusetzen und an der Erprobung der Wissensformate der Zukunft teilzuhaben.

Die Studierenden lernen das Vermittlungsteam sowie die Kurator_innen, Wissenschaftler_innen und weiteren Mitarbeiter_innen des Humboldt Labors kennen. Mit theoretischen Ansätzen der Museum Studies, der Anthropologie der Sinne/Visual Culture Studies, der Anticipatory Anthropology, aber auch unter Zuhilfenahme methodologischer Auseinandersetzungen der Organisations- und Museumethnographie werden wir uns u.a. den Themen Bildung, Partizipation, Wissensproduktion, Repräsentation und Zukunft des Ausstellens ethnographisch nähern. Im Spezifischen werden wir uns dem Planungsprozess und damit den vielseitigen Praktiken des Planens, Entwerfens und Infrastrukturierens widmen. In eigenen Projekten werden die Studierenden das weitere Feld und Umfeld des Humboldt Labors ethnographisch beforschen und ihre Fragen, Forschungsdesigns, Themen, Kritiken und Ergebnisse an das Humboldt Labor zurückspielen und mit den Beteiligten diskutieren. Ziel ist es, anhand der ethnographischen Projekte die Forschungsprozesse und möglichen Repräsentationsformen zu reflektieren.

Geplant sind hierbei u.a. auch Kollaborationen mit dem Projekt „Re-Imagining the Archive: Sexual Politics and Postcolonial Entanglements“ (im Rahmen der Princeton-HU Strategic Partnership), eine mögliche Veröffentlichung in der Reihe des Humboldt Labors und eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse in einer Veranstaltung im Humboldt Labor selbst oder am Institut für Europäische Ethnologie.
 


  • ab Wintersemester 2020/21
Post/koloniale Nachbarschaften

Prof. Dr. Regina Römhild

Das Studienprojekt wird sich dem Thema in mehrfacher Hinsicht widmen:

1. Post/koloniale Nachbarschaften im privaten Raum:
Viele Erinnerungen an den deutschen/europäischen Kolonialismus sind nur in privaten Räumen – Fotoalben, Briefen, autobiografischen Dokumenten in Wohnzimmerregalen etc. –zugänglich und damit bisher der öffentlichen Debatte weitgehend verschlossen. Angefangen bei eigenen Familiengeschichten, die in koloniale Vergangenheiten hineinreichen und in privaten Räumen verborgen sind, wird das Projekt diese Nachbarschaft zu privatisierten Dimensionen deutscher/europäischer Kolonialgeschichte und postkolonialer Gegenwart thematisieren. Hier kann unmittelbar an schon geleistete Forschungsarbeit des Kunstraums Savvy Contemporary und dessen laufendes Projekt „Colonial Neighbors“ angeschlossen und mit den künstlerisch Forschenden kooperiert werden.

2. Post/koloniale Nachbarschaften bestimmen auch die postmigrantische Einwanderungsgesellschaft – ohne dass dies bisher ausreichend thematisiert worden ist. Denn mit Einwanderung und Flucht und den nachfolgenden Generationen sind auch unterschiedliche Kolonialgeschichten in der unmittelbaren Nachbarschaft unserer geteilten Gesellschaft präsent. Von den ehemaligen Kolonisator*innen der europäischen Post/Migration bis hin zu den ehemals Kolonisierten aus aller Welt – und allen Repräsentant*innen „kryptokolonialer“ (Michael Herzfeld) Zwischenräume am Rande ‚Europas‘: des Mittelmeerraums, des ‚Balkans‘ und des ‚Orients‘. Diese Ko-Präsenz kolonialer Vergangenheiten in der postmigrantischen Gesellschaft Berlins (und Deutschland/Westeuropas) gilt es aus einer Perspektive der „multidirektionalen Erinnerung“ (Michael Rothberg) in den Blick zu nehmen.

3. Die „Mohrenstraße“:
Ein sehr konkretes örtliches Feld, in dem beide vorgenannten Dimensionen zusammenkommen und das direkt vor unserer Institutstür liegt, ist die so genannte Mohrenstraße. Wie finden hier alte, noch immer wenig revidierte koloniale Blickregime, die auf neue, kritische Sichtweisen in dieser eben auch postkolonialen Nachbarschaft treffen.

Das Projekt wird diese drei Dimensionen zum Ausgangspunkt nehmen und hinsichtlich einer gemeinsamen, aber auch in diversen Teams zu bearbeitenden differenzierten Fragestellung ethnographisch entwickeln und bearbeiten. Eine Zusammenarbeit mit künstlerischer Forschung, u.a. in Savvy Contemporary und bi’bak (geplant), wird das Projekt methodisch und inhaltlich zusätzlich prägen.
 

- Informationen zum zweiten Studienprojekt von Prof. Dr. Tahani Nadim folgen -

 


  • ab Wintersemester 2021
Ageing Cities

Dr. Tomás Criado

 

Nekropolitik und Heritage zwischen Kurdistan und Europa

Dr. Alice von Bieberstein