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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Europäische Ethnologie | Termine | Institutskolloquium im Wintersemester 2018/19

Institutskolloquium im Wintersemester 2018/19

Wann 06.11.2018 von 14:00 bis 16:00 (Europe/Berlin / UTC100) iCal

Konjunkturen der Moralismuskritik. Agonistische Bestimmungen des Politischen zwischen Zeitdiagnostik und Ethnografie 

Moritz Ege (Universität Göttingen)
 

Abstract:

In der Repräsentations- und Autoritätskrise, die seit der Finanzkrise 2008ff. um sich greift, wiederholen Gegner des „liberalen Establishments“ immer wieder ein ähnliches Motiv: Die politischen Eliten und die sie unterstützenden Mittelschichtsmilieus seien übermäßig moralisch bzw. „moralistisch“, sie wollten – insbesondere in der Migrationspolitik – von oben abstrakt-universalistische Moralvorstellungen durchsetzen, gegen „das Volk“ und gegen ein „realistisches“ Verständnis von Staatlichkeit. Solche Aussagen findet sich auf der radikalen Rechten, im zentristischen Populismus und im autoritäreren Spektrum des Linkspopulismus. Argumente gegen eine Moralisierung und Ethisierung des Politischen prägen aber u.a. auch die (neo-)liberalismuskritische Theorie von Politik als „Agonismus“, die Chantal Mouffe und Ernesto Laclau geprägt haben. Sie ist in den Kultur- und Sozialwissenschaften höchst einflussreich, auch in einigen Strängen der Ethnografie – aus m.E. guten Gründen, wie im Vortrag anhand von Beispielen aus laufenden Forschungen aus Protestbewegungen gezeigt werden soll, in denen um die Bedeutung und Abgrenzung von Politik und Moral gestritten wird. Welche Verbindungen bestehen zwischen solchen Moralisierungskritiken, welche wesentlichen Unterschiede bleiben bestehen? Was lässt sich daraus hinsichtlich neuer Kräfteverhältnisse in der momentanen „conjuncture“ (kulturell-politisch-ökonomischen Konstellation/Konjunktur) im Sinne Stuart Halls schlussfolgern? 
 

Bio:

Moritz Ege, Professor für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen, beschäftigt sich vor allem mit populärkulturellen Phänomenen und ihren Wechselwirkungen mit politischen Konflikten und Verhältnissen, z.B. im Buch „‚Ein Proll mit Klasse‘. Mode, Popkultur und soziale Ungleichheiten unter jungen Männern in Berlin“ (2013), derzeit u.a. in der Veranstaltungsreihe „‘Gegen die Eliten!‘ Zur Konjunktur eines Krisenmotivs“ (www.gegendieeliten.uni-goettingen.de) und im Rahmen der ForscherInnengruppe „Urbane Ethiken. Konflikte um ‚gute‘ und ‚richtige‘ Lebensführung in Städten des 20. und 21. Jahrhunderts“.