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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Europäische Ethnologie | Termine | Zwischen Anspruch auf Selbstorganisation und „Mut zur Verwaltung“

Zwischen Anspruch auf Selbstorganisation und „Mut zur Verwaltung“

Arbeitstreffen des SEiSMiC-Netzwerks in Deutschland am 24. und 25. September 2015 in Wuppertal
Wann 24.09.2015 bis 25.09.2015 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
Wo Utopiastadt, Wuppertal
Kontaktname

Die soziale und politische Landschaft unserer Städte verändert sich rasant. Gerade dort wo strukturelle Finanznöte, selektive (Immobilien)märkte, die Konzentration auf punktuelle „Leuchtturmprojekte“ oder der Rückzug einer gestalterischen Politik aus einzelnen Vierteln und Arbeitsfeldern die Stadtentwicklung bestimmen. Diese Tendenzen bieten zugleich Raum für kritische Positionen und handfeste Interventionen einer neuen urbanen Zivilgesellschaft.

Die wachsende Selbstorganisation von Bewohner_innen – etwa um die Geschicke „ihrer“ Stadtteilbibliothek, ihrer Nachbarschaft oder ihrer Stadt selbst in die Hand zu nehmen – stellt eine Reaktion auf diese Veränderungen dar. Sei es als Verein, als Genossenschaft, als loses Netzwerk oder als Betrieb – das Spektrum der Organisationsformen reicht von linkspolitischen Gruppen, die ein Recht auf Stadt einfordern, über lokale Initiativen, einen Stadtteil ökonomisch (wieder) zu beleben bis hin zu vielfältigen Wohnprojekten. Häufig orientieren sie sich an basisdemokratischen Idealvorstellungen, mitunter an Leitbildern unternehmerischer Kreativität. Sie verbindet der Anspruch, konkret, vor Ort und durchaus mit utopischen Potenzialen an Stadtgestaltung mitzuwirken.

Solche Entwicklungen leisten zugleich einer skeptischen Perspektive auf „Verwaltung“ Vorschub: Häufig gilt sie als überfordert oder überholt, als Blockiererin von kreativen unternehmerischen oder zivilgesellschaftlichen Prozessen. Eine solche, etwas populistische Kritik übersieht dabei, dass Verwaltung – trotz einer fortgesetzten Kürzung der Ressourcen – wichtige Aufgaben zu übernehmen versucht: Sie kümmert sich im städtischen Alltag um das Regelwerk, das auch weiterhin erforderlich ist, um Interessenausgleiche herzustellen.

Dabei ist in den letzten Jahren deutlich geworden, dass Stadtgestaltung weder ausschließlich „top-down“ aus der Logik der Verwaltung heraus gelingt, noch primär „bottom-up“ den vielfältigen Praktiken und Ideen von Gesellschaft folgend. Ebenso ist klar, dass Verwaltung auch weiterhin eine zentrale Rolle in Stadtgestaltung
spielen muss, diese aber nicht alleine aus finanziellen Ressourcen und damit aus klassischer Gestaltungsmacht heraus legitimieren kann. Entsprechend rückt die Frage nach der Ausgestaltung und der Qualität der Kooperationen zwischen urbanen Initiativen und Stadtverwaltung in den Fokus. Für diese Beziehung fehlt bisher ein überzeugendes Narrativ. Es lässt sich nur schwer auf einen Begriff bringen: „polyzentrische Stadtentwicklung“ oder „Mehr-Ebenen-Governance“ beschreiben zwar Strukturen; sie erfassen aber nicht die tatsächlichen Prozesse von Stadtgestaltung im Alltag.

 

Im Rahmen dieses SEiSMiC-Arbeitstreffens möchten wir entgegen den Trends zur neoliberalen oder kreativen Verdrängung von Verwaltung diskutieren, wie die Praxis solcher Kooperationen heute aussieht. Hierzu werden wir

  • zunächst Erfahrungen zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Organisationsformen urbaner Initiativen austauschen;
  • zweitens Arbeitsweisen, Erwartungen und Sachzwänge städtischer Verwaltungen vorstellen;
  • und drittens im Austausch zwischen Vertreter_innen urbaner Initiativen und städtischer Verwaltung Narrative, Begriffe und Leitlinien für eine kooperierenden Stadtgestaltung entwickeln.

 

Das Programm wird inhaltliche Inputs, Erfahrungsberichte, Beratungsangebote zu unterschiedlichen Organisationsformen urbaner Initiativen, Kleingruppenarbeit und eine Podiumsdiskussion umfassen. Ein detaillierter Programmentwurf wird Anfang August vorliegen.

Das Arbeitstreffen findet im Rahmen des Projektes SEiSMiC statt. Es wird durch das Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit Utopiastadt Wuppertal und der Zukunftsakademie NRW organisiert. Der Workshop beginnt am 24. September gegen 14 Uhr und endet am 25. September gleichfalls gegen 14 Uhr. Der Veranstaltungsort ist der Bahnhof Mirke, Utopiastadt Wuppertal.

Der Workshop richtet sich an Stadtteilinitiativen, Stadtplaner_innen, Stadtteilarbei- ter_innen, Stadtaktivist_innen, Stadtforscher_innen, Selbständige, Vertreter_innen aus der Verwaltung, der kommunalen Politik, von (Bürger-)Stiftungen usw.

Die Teilnahme ist kostenlos; Reise- und Übernachtungskosten können nach Absprache mit den Veranstaltern erstattet werden. Anmeldungen sind bis zum 7. September möglich. Bitte melden Sie sich hierzu oder auch für weitere Informationen unter germany@seismicproject.eu.

 

Weitere Informationen:

EU-Projekt SEiSMiC

Utopiastadt Wuppertal

Zukunftsakademie NRW