Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Europäische Ethnologie

Labor Kritische Europäisierungsforschung

Aus der ethnologischen Perspektive ist Europa nicht einfach gegeben, sondern – historisch und aktuell – ein sich in vielen global verflochtenen Projekten entwickelnder, konfliktreicher politischer und kultureller Prozess. Das ethnologische Paradigma der Europäisierung steht für diesen Prozess. Und eine kritische Europäisierungsforschung reflektiert diesen Prozess aus einer postkolonialen, globalen Perspektive. Dabei setzt sie nicht nur im „Zentrum“, bei den Politiken und Institutionen der Europäischen Union oder der Definitionsmacht der westlichen europäischen Gesellschaften an, sondern gerade bei jenen Akteuren und Zonen an den Rändern des heutigen Europas, deren Zugehörigkeit historisch und aktuell umstritten ist: etwa den heutigen Grenzregionen des Mittelmeerraums, des „Balkans“ und Osteuropas, den Migrant_innen, Minoritäten und Marginalisierten, die Europa mit seinen umstrittenen und oft ausgelassenen globalen Geschichten und Gegenwarten in einer postkolonialen, postmigrantischen, postsozialistischen Welt konfrontieren. Gerade hier zeigen sich die Herausforderungen und Zumutungen der Europäisierung besonders deutlich, ebenso wie gerade diese scheinbar peripheren Akteure und Zonen sich als sehr viel bedeutsamer für die Gestaltung Europas erweisen als vielfach angenommen. Das Labor Kritische Europäisierungsforschung versteht sich als Hierarchien übergreifender, selbst gestalteter Diskussionsraum, in dem zu diesem Schwerpunktthema des Instituts nachgedacht und geforscht wird. Das Labor vernetzt Forscher_innen (Studierende, Doktorand_innen, Projektmitarbeiter_innen, Lehrende) im Institut und interessierte „Externe“ entlang von inhaltlichem Engagement und Expertise. Anregungen und neu hinzukommende Interessent_innen sind herzlich willkommen!

Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, setzen Sie sich auf den E-Mail-Verteiler.



Wintersemester 2018/2019
 

Claudia Bruns, Ruza Fotiadis, Regina Römhild, Nenad Stefanov

Interdisziplinäres Forschungskolloquium
„Border Studies und kritische Migrationsforschung“
Schwerpunkt: Grenzen Europas - Vom Menschenrechtsdiskurs zu den Politiken des Humanitären

 

Offen für alle Interessierten des Labor Kritische Europäisierungsforschung und Labor Migration

Für Masterstudierende der Europäischen Ethnologie: Leistungsnachweis möglich im MA Modul 3: Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie und wissenschaftliches Argumentieren, Schwerpunkt Europäisierung

R 4.30, Georgenstr. 47, 4. Stock, Institut für Kulturwissenschaft

 

An der HU Berlin wurde 2016 das Zentrum für transnationale Grenzforschung „Border Crossings - Crossing Borders“ gegründet, das seither ein interdisziplinäres Forschungskolloquium veranstaltet. Dieses wird getragen vom Institut für Europäische Ethnologie (Labor Migration und Labor Kritische Europäisierungsforschung) sowie der Professur für Historische Anthropologie und Geschlechterforschung am Institut für Kulturwissenschaft und von Vertreter_innen der Geschichtswissenschaften. Es versteht sich als Werkstatt für die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen europäischer Grenz- und Migrationsforschung und wird von allen beteiligten Lehrenden gemeinschaftlich gestaltet.

 

In diesem Semester liegt der Schwerpunkt auf der gemeinsamen Auseinandersetzung mit grundlegenden Texten, die sich mit dem ambivalenten Verhältnis Europas zum Menschenrechtsdiskurs befassen. Einerseits versteht sich Europa spätestens seit der Aufklärung als Repräsentant universell geltender Menschenrechte, die zugleich als „europäisches Erbe“ herausgestellt werden. Andererseits führte dasselbe Europa massive Ungleichheiten und Rassismen, zuletzt an den heutigen Grenzen der EU, ein. Dabei werden die aktuellen Verhandlungen von Europas Grenzöffnungen oder -schließungen ihrerseits als „humanitäre Frage“ diskutiert. In drei vierstündigen thematischen Sitzungen werden zum einen jeweils zwei Texte auf ihre interdisziplinäre Relevanz hin kritisch diskutiert. Zum anderen erhalten in jeder dieser Sitzungen Promovierende die Möglichkeit, ihre Arbeiten vor dem Hintergrund der in den Texten aufgeworfenen Fragestellungen und Zugänge zu reflektieren und mit einem fächerübergreifenden Publikum aus Studierenden, Nachwuchswissenschaftler*innen und etablierten Forscher*innen gemeinsam weiterzuentwickeln. Ergänzend bzw. alternativ zu den Präsentationen der Promovierenden können Masterstudierende die Diskussion mit zuvor angefertigten Thesenpapieren mitgestalten und dadurch einen Leistungsnachweis für die Lehrveranstaltung erbringen.

 

Begleitet wird das Kolloquium von Vorträgen ausgewählter Referent*innen, die von verschiedenen Fachrichtungen aus einen Blick auf das Forschungsfeld der Border Studies werfen. Diese Form der lektürebasierten Diskussion und inhaltlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsansätzen und Fragestellungen schafft einen interdisziplinären Rahmen, der Promovierenden eine intensive Reflexion ihrer eigenen Arbeiten ermöglicht und Masterstudierenden einen inspirierenden Austausch hinsichtlich der Themenfindung ihrer Abschlussarbeiten bietet. Eine regelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen, einschließlich der Vorbereitung der Texte und Beteiligung an den Diskussionen, wird vorausgesetzt. Masterstudierende sollten idealerweise schon Vorkenntnisse mitbringen, etwa aus Einführungsseminaren mit Schwerpunkt „Europa/Europäisierung“, „Migration“ und/oder „Grenze“. Zur Planung der Zusammenarbeit im Kolloquium ist die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung am 22.10. dringend erforderlich.

 

Termine:

22.10. Eröffnung, 16:00-18:00 Uhr

12.11. Border Studies I; 14:00-18:00

03.12. Border Studies II,14:00-18:00

07.01. Border Studies III, 14:00-18:00

04.02. Border Studies: Abschluss, 16:00-18:00


 

 

Forschungs- und Studienprojekte

abgeschlossen:
  • Gastropolis. Mobilitäten und Grenzen im Aushandlungsraum der Gastro-Ökonomie, Studienprojekt - Leitung: Prof. Dr. Regina Römhild, Dr. Sanna Schondelmayer (2014/2015) (Information)
  • Andere Europas. Soziale Imagination in transnationalen Bewegungen und urbanen Öffentlichkeiten (Other Europes/Europe's Others. Social imagination in transnational movements and urban publics), Studienprojekt (2010/2012) (Information)
  • Exhibiting Europe, Norwegischer Forschungsrat (2008 - 2011) (Information)
  • Der Homo Europaeus in der Nahrungsforschung und der Medizin., Teilprojekt im Rahmen des Forschungsverbunds „Imagined Europeans. Die wissenschaftliche Konstruktion des Homo Europaeus“, BMBF (2006 - 2009) (Information)
  • Identitätspolitik und nationale Repräsentation: Armenien auf dem Weg nach Europa, DFG-Projekt (2004 - 2008) (Information)
  • Challenges of Biomedicine, EU-STREP (2004 - 2007) (Information)
  • Teaching Human Rights in Europe. Purposes, Realization and Consequence, VW-Stiftung (2003 - 2006) (Information)
  • Grenz-Erkundungen. Die Euroregion Pomerania, Studienprojekt (2001/2003)
    Publikation: Blask, Falk/Kaschuba, Wolfgang (Hg.) (2003): Europa an der Grenze. Ost Odra West Oder. In: Berliner Blätter. Ethnographische und ethnologische Beiträge. Sonderheft, vol. 30. Berlin.

 

Dissertationen

laufend:
  • Funk, Thomas: „Sakrale Landschaft“ Konnersreuth. Konkurrierende Raumproduktionen zwischen religiöser Praxis, „kulturellem Erbe“ und touristischer Inwertsetzung
  • Kremmler, Katrin: Eurasische Magyaren: Postkoloniale Perspektiven auf den neuen ungarischen Nationalismus im Kontext der Europäisierung
  • Lewicki, Pawel: Pioniere der Integration? Das „alte” und das „neue” Europa im Verwaltungsapparat der Europäischen Kommission
  • Pampuch, Sebastian: Postcolonial exile in a divided Germany: biographical case studies (Information)
  • Westrich, Michael: Migration als kosmopolitische soziale Bewegung? Versuch einer dekolonial informierten Ethnographie der Grenze (Arbeitstitel)
  • Wolf, Kristine: Lokale Verhandlungen über das „Einwanderungsland Europa“ – Vorstellungen, Wissen und Interaktionen von „Migrant_innen“ und „Einheimischen“ in Euro-Mediterranen Grenzräumen (Information)
abgeschlossen:
  • Adam, Jens (2016): Ordnungen des Nationalen und die geteilte Welt. Zur Praxis Auswärtiger Kulturpolitik als Konfliktprävention. (Publikation)
  • Bergmann, Sven (2014): Ausweichrouten der Reproduktion. Biomedizinische Mobilität und Praxis der Eizellspende. Wiesbaden. (Publikation)
  • Ehrlich, Kornelia (2014): Creative City Ljubljana? Europäisierungsprozesse im Spannungsfeld neoliberaler Regierungspolitiken und widerständiger Praktiken. Berlin. (Publikation)
  • Vonderau, Asta (2010): Leben im „neuen Europa“. Konsum, Lebensstile und Körpertechniken im Postsozialismus. Bielefeld. (Publikation)
  • Poehls, Kerstin (2009): Europa backstage. Expertenwissen, Habitus und kulturelle Codes im Machtfeld der EU. Bielefeld. (Publikation)
  • Keinz, Anika (2008): Polens Andere. Verhandlungen von Geschlecht und Sexualität im postsozialistischen Polen. Bielefeld. (Publikation)

 

Veranstaltungen (Auszug)

 

Kooperationen